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Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

Alles andere als unsinfonisch

 

Das Aargauer Symphonie Orchester setzte mit Cellist Christian Poltéra und Gastdirigent Michael Zukernik auf russische Kontraste.
 

(Aargauer Zeitung, David Koch, 18.11.2008)

 

Das erlebt man im Konzert nicht oft. Christian Poltéra, der Solist in Dmitri Schostakowitschs erstem Konzert für Violoncello und Orchester op. 107 (1959), spielte die ausgedehnte Kadenz im dritten Satz und im Auditorium herrschte gebannte Stille: Kein Rascheln mit dem Programmheft, kein Räuspern und kein Husten waren im Saal zu hören. Einzig Poltéras beseeltes Aufseufzen mischte sich in den grossen, einnehmenden Klang seines Instruments. Noch schien das entrückende, schön orchestrierte Moment der vorangegangenen Sarabande nachzuwirken, deren Aufbegehren gegen Ende des Satzes und der versöhnliche Dialog mit der Celesta. Nun aber war der Solist auf sich allein gestellt. Er hatte in einer einzigen, weit dimensionierten Phrase zwischen ausdrucksvollem Tonfall und akzentuierten Pizzicato-Akkorden zu changieren, bevor ein robust gebautes Finale zu wildem Tanz animierte. Es bestätigten sich am Samstag in der anständig besuchten Badener Trafohalle einmal mehr die gefestigten Qualitäten des Aargauer Symphonie-Orchesters (ASO) und des Solisten. Und sie taten dies schon rein dadurch, indem für den gemeinsamen Auftritt gerade Schostakowitschs Cellokonzert ausgewählt wurde. Das sperrige Stück, obwohl längst zu einem Klassiker der Moderne avanciert, bleibt stets eine Herausforderung. Deren nahm sich Poltéra mit seinen stupenden technischen Fertigkeiten an und trat souverän in die Fussstapfen von Mstislaw Rostropowitsch - für den russischen Jahrhundertcellisten schrieb Schostakowitsch einst das Konzert. Dass der gebürtige Zürcher Poltéra zudem ein hoch geschätzter Kammermusiker ist, machte sein unprätentiöses und ensembledienliches Spiel deutlich: Er stand im Zentrum eines homogenen Ganzen. Das wiederum beflügelte das Orchester zu guter Leistung, allen voran das exponierte Solohorn (Hans-Ulrich Wopmann). Das ASO gab sich nuanciert in der breit angelegten, auch mal atonal gefärbten Klangdramaturgie und wach in rhythmischen wie agogischen Belangen. Das Publikum war beeindruckt von diesem Paradestück einer entkrampften russischen Avantgarde.

 

Als «russischen Kontrast» dazu - so lautete die gewählte Überschrift des Programms - kamen eingangs Alexander Borodins originell, aber opulent gearbeitete Ouvertüre zu «Fürst Igor» und nach der Pause Pe- ter Tschaikowskys zweite Sinfonie, die so genannte «Kleinrussische», zur Aufführung. Beides sind sie Komponisten des 19. Jahrhunderts: Borodin wurde als Nationalist gefeiert, Tschaikowsky hingegen als irrgläubiger «Westler» getadelt. Dabei könnte dessen zweite Sinfonie ursprünglicher nicht sein. So findet sich in keinem anderen Orchesterwerk Tschaikowskys eine derartige Fülle von russischen Themen. Das gleich zu Beginn vorgetragene Hauptthema des Kopfsatzes etwa entstammt dem populären «Wolgalied», während das Variationsthema im Finalsatz auf einem ukrainischen Volkslied basiert. Dazwischen stehen ein seltsam verhaltener Marsch und ein offenkundig an Beethovens «Eroica»-Sinfonie angelehntes Scherzo. Jetzt freilich galt der gebeutelte Tschaikowsky in seinem folkloristischen Tonfall als zu anbiedernd und unsinfonisch. Gleichwohl verbirgt sich hinter all dem volkstümlichen Gebaren eine formgerechte Sinfonie. Und Effekt machte sie im Konzert des ASO allemal.

 

Wenn nur diese ungemein trockene Akustik in der Trafohalle nicht wäre. Da konnten die Blechbläser in der Eröffnungsgeste zum letzten Satz noch so feierlich anheben, der Beckenschlag noch so brillieren und die Streicher in noch so viel Resonanz graben: Die Saalakustik klang spröde und dumpf. Einzig den Holzbläsern kam sie entgegen, dann nämlich, wenn sie als fein gezeichnetes Relief zu agieren hatten, vom sonoren Fagott bis zum sicher ornamentierenden Piccolo. Doch der israelische Gastdirigent Michael Zukernik wusste den schwierigen Verhältnissen überlegt zu begegnen. Anstatt den so typisch russischen, dynamischen Überschwang noch zu forcieren, bündelte er die Orchesterkraft zu luzider Tiefenschärfe. Das überzeugte - und entsprach dem Naturell des Dirigenten. Denn ein exaltierter Pultlöwe ist er nicht.

 

Wiederholung Heute, 20 Uhr, Aarau.

 

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