Dirigent Douglas Bostock und das Aargauer Symphonie-Orchester stiegen kühn in Mozarts D-Dur-Sinfonie, KV 385, ein: Geschärft war der Klang der Streicher, überhaupt nicht zu dick, sondern sorgsam vorbereitet ins Weite reichend. Schade nur, war der Gegensatz zum Piano in Takt 6 kaum zu hören, und vielleicht hätten die Paukenschläge in Takt 13 nicht gar so tumb aufgeplustert sein müssen. Geschmackssache? Am Unvermögen lagen diese kleinen Auffälligkeiten nicht, denn das ASO spielte die ganze Sinfonie beeindruckend.
Die immer wieder neu gestarteten Läufe in den Violinen waren präzis, die Bläser zumal im ersten Satz meistens wunderbar reich durchhörbar. Und im Andante waren wundersame Echo-Antworten in variierter Dynamik zu vernehmen, selbst in den «Aliberti-Begleitungen» der Fagotte war die Lust zu hören, gestaltend zu wirken und etwas auszudrücken. Diese verspielte Lust am Bläserspiel führte allerdings im Mittelteil des Satzes zu einer kleinen Unsicherheit bei den Streichern, die zudem im «Menuett» etwas von der Leichtigkeit der Bläser hätten annehmen dürfen. Stattdessen überdecken sie ihre Freunde in den hinteren Orchesterreihen. Das Finale ging man verhalten an, bald wendeten sich alle Vorbehalte im überschäumenden Forte zum Guten.
Es galt erstmal aufzuatmen und dann, man höre und staune, gings sogleich hinein in Igor Strawinskys «Pucinella-Suite». Ein Werk, bei dem manchen Orchestermusiker das Herz in die Hosen rutscht - und ein Werk, das den Konzertbesuchern selten geboten wird. In dieser Suite, die unter anderem auf Musik von Giambattista Pergolesi beruht, sind die Stimmführer gefordert, das Tutti muss hellwach sein.
Verspielt und leichtfüssig greift hier alles ineinander, tänzerisch soll der Gestus sein. Das ASO stürzte sich mit sehr viel Energie in die Suite - mit zu viel Energie? Im Scherzino, dem 3. Satz, flirrten die Streicher feurig, gewiss, aber der Grundzug war ziemlich aggressiv, bisweilen zu wenig gelöst. Da mochten die einzelnen Soli noch so lustvoll gespielt worden sein.
Wie anders doch der Orchesterklang in Ludwig van Beethovens «Tripelkonzert» - das Konzert für Klavier, Violine, Violoncello; C-Dur, op. 56 -, das nach der Pause anstand: Nie überbordend, sondern - den Bogen nah an den Saiten - klug im Gestus: Die Möglichkeit des Zulegens war da immer vorhanden. Doch in Beethovens «Tripelkonzert» standen naturgemäss nicht die Orchestermusiker, sondern die drei Solisten im Vordergrund - das weltweit konzertierende Guarneri-Trio.
Im Unterschied zu Aufführungen, bei denen sich grosse Solisten gegenseitig in der Klangentfaltung übertrumpfen, war hier ein eindrückliches Zusammenspielen vernehmbar: Da wurde liebevoll aufeinander gehört, auf kleinste Regungen geantwortet, der gemeinsame Ton gesucht - und gefunden. Die Herzen der immer grösser werdenden Aarauer ASO-Familie pochten vernehmbar heftig, der Applaus im ausverkauften Saal des Kultur- und Kongresshauses war gross.
Wiederholung Aarau: heute Dienstag, 22.1.; Baden: Mittwoch, 23.1. (je 19.30 Uhr); Muri: Samstag, 16. 2. (20 Uhr). Einführung jeweils eine Stunde vor dem Konzert.