«Leute für Musik begeistern» Douglas Bostock, Chefdirigent des Aargauer Symphonie Orchesters ASO (Aarauer Nachrichten, Corinne Remund, 06.12.2007) Wie sind Sie auf die Idee der Familienkonzerte gekommen? Ich hatte diese Idee zusammen mit Dr. Jürg Schärer, dem Trägerschaftspräsidenten des ASO. Familienkonzerte kenne ich zudem von anderen Konzerten, bei denen ich auch schon mitgewirkt habe. Die Idee dahinter ist, dass unser Orchester mit diesen Konzerten ein möglichst breites Publikum ansprechen kann. Da ein solches Projekt ja auch immer eine Budgetfrage ist, hoffen wir, dass die diesjährigen Familienkonzerte ein Auftakt zu einer weiterführenden Tradition sind.
Wie ist der Ablauf dieser Konzerte, geben Sie eine Einführung zum besseren Verständnis der Stücke? Die Konzerte dauern 75 Minuten und haben keine Pause. Das Orchester ist auch leger gekleidet. Ich werde als Moderator dem Publikum den geschichtlichen Hintergrund der einzelnen Werke erläutern sowie auch die Zusammenhänge der Musik und der Komponisten erklären. Dies ist aber keinesfalls mit einem musikpädagogischen Workshop zu verwechseln. Eröffnet wird das Konzert mit der Ouvertüre zur Märchenoper «Hänsel und Gretel » von Engelbert Humperdinck. Dies ist ein wunderschönes Weihnachtsstück mit vielen bekannten Melodien. Darauf folgt ein etwas unbekanntes Stück «The Wand of Youth» von Edwar Elgar. Er hat dieses Stück als Teenager fürs Klavier zur Unterhaltung der Eltern und Geschwister komponiert und erst als Erwachsener fürs Orchester instrumentalisiert. Dabei spielen wir eine Auswahl aus beiden Suiten. Den Abschluss macht eine Suite aus «Der Nussknacker» von Pjotr I. Tschaikowsky, ebenfalls sehr bekannte Weihnachtsmusik. Alle Stücke sind Meisterwerke der Musik und sollen für eine lockere Atmosphäre sorgen und sowohl dem Orchester wie auch dem Publikum ein Genuss sein.
Möchten Sie mit diesen Konzerten auch Jugendliche ansprechen und zum Spielen eines Instrumentes animieren? Dies ist kein prioritäres Ziel, aber ein schöner Nebeneffekt. Die musikpädagogische Seite handeln wir in den zwei bis drei Schülerworkshops, die wir jährlich durchführen, ab. Bei den Familienkonzerten ist der Hintergedanke, dass Eltern und Kinder als Familie gemeinsam etwas unternehmen, respektive in Begleitung schöner Musik zusammengeführt werden. Wichtig ist auch, dass es Familienkonzerte sind, keine Kinderkonzerte, und so sind sie auch weniger für ganz kleine Kinder geeignet. Versprechen Sie sich von dieser Art Kultur- und Musikvermittlung generell ein besseres Verständnis für die klassische Musik? Versprechen ist zu viel, eher erhoffen. Erfahrungen zeigen, dass, wenn sich das Orchester breiten Kreisen öffnet, es dort auch besser verankert ist. Wir möchten in diesem Sinne den Leuten die Musik näher bringen und die Barriere zwischen Orchester und Publikum brechen, also die Leute besser mit unserer Musik erreichen.
Stellen diese Familienkonzerte für das Orchester und für Sie eine besondere Herausforderung dar und welche? Es macht den Mitwirkenden grosse Freude, diese Werke einzustudieren. Sobald der Funke aufs Publikum überspringt, haben wir unser Ziel erreicht.
Werden Sie auch bei anderen Gelegenheiten, zum Beispiel an Ostern, mit Familienkonzerten an die Öffentlichkeit gehen? Wir haben uns das Ziel gesetzt, einmal in der Saison, je nach dem wie es hineinpasst, ein solches Familienkonzert durchzuführen. Die Familienkonzerte sollen fester Bestandteil unseres Programmes werden. Was bedeuten für Sie persönlich diese Familienkonzerte? Als Dirigent ist es für mich immer eine Freude, nicht nur traditionelle Konzerte, sondern auch Konzerte, die aus dem Rahmen springen, zu leiten. Als Dirigent ist es mir sehr wichtig, die Leute für die Musik begeistern zu können. Dies ist im weiteren Sinne auch meine Lebensaufgabe. Interview: Corinne Remund
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