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Liebesrausch im Schlosshof


Oper Hallwyl Georges Bizets Oper «Die Schöne von Perth» wird aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst - zur grossen Freude des Publikums.

 

Elisabeth Feller (MZ, 22.07.2006)
Die Stadt Perth liegt abgeschieden in Schottland. Kein Wunder, sind ihre Bewohner um Kurzweil besorgt. Etwa mit Liebesirrungen, die fast tödlich enden. Fast. Denn weder lässt Georges Bizet (Musik), noch lassen Jules-Henry Vernoy des Saint-Georges / Jules Adenis (Libretto) ihr Publikum im Stich.

 

Auch «Die Schöne von Perth» verzichtet nicht auf ein Happy End mit Liebenden. Bevor es so weit ist, hievt das Trio sein Publikum aber noch einmal auf die Achterbahn der Gefühle: Kathrine, die «Schöne von Perth» will und will nicht mehr aus ihrer geistigen Umnachtung erwachen. Das gibt dem Komponisten erneut Gelegenheit, seine Trümpfe auszuspielen: Strömendes Melos, dramatische Akzente und eine Instrumentierung, die Harfe und Schlagwerk prachtvolle Rollen zuweist.

 

Dass von ferne «Lucia di Lammermoor» grüsst, ist kein Zufall: Sir Walter Scott hat nicht nur für Donizettis «Lucia», sondern auch für Bizets «Schöne» Pate gestanden. Kein schlechtes Vorbild, wenn es um den Mix jener Ingredienzien geht, die Psychologen hart auf die Probe stellt: In Bizets Vierakter liebt Henry (Daniel Zihlmann) die schöne Kathrine (Edith Lorans) und umgekehrt. So weit, so gut. Doch mit den Auftritten der Zigeunerin Mab (Leila Pfister) und weiteren Kathrine-Anbetern wie Ralph (Richard Ackermann) und Herzog von Rothsay (Randal Turner) wird die Geschichte vielschichtiger und - durch das Verwirrspiel bei de Rothsays Maskenball - kompliziert.

 

Entflechtung tut Not. Damit ist ein umsichtiger Regisseur wie Peter Schweiger betraut, der die Oper des 28-jährigen Bizet nicht beschwert. Schweiger weiss, dass er dem baumgekrönten Innenhof von Schloss Hallwyl nichts entgegenstemmen muss. Das vom Libretto imaginierte, historische Schottland transportiert Schweiger mit leiser Ironie nach Hallwyl. Nichts verstellt den Blick des Publikums auf die trutzigen Schlossmauern und die Spielfläche, die lediglich an dramaturgischen Knackpunkten mit diskreten Bauten ergänzt wird: etwa mit einem hochragenden Kabinett samt winzigem Fens ter oder mit leuchtenden Stelen beim Ball, die bei Nacht betörende Wirkung entfalten (Bühne/Licht: Simone Baumberger/Ueli Binggeli). Diese Beispiele stehen exemplarisch für jene raffinierte Schlichtheit, welche die Inszenierung auszeichnet. Immer wieder lässt der Regisseur den Handlungsort als Zitat in die Aufführung einfliessen. Witzig der anfängliche Auftritt eines Geharnischten, den eine Touristengruppe fotografiert. In ihr erkennt das Publikum später sofort die Protagonisten der Oper. Und ist am Ende der gordische Knoten zerhauen, werden Liebende und Geharnischter wiederum aufs Bild gebannt.

 

Beziehungsreicher kann die Regie dem Schloss kaum Reve renz erweisen. Ihr Respekt steckt auch in der Summe der Details. So belebt die Hallwyler Schlossmaus als Mickey Mouse eine längliche Musikpassage; so verweisen die «behuteten» Chordamen ebenso aufs englische Königshaus wie die als Jockeys am Fürstenball erscheinenden Chorherren (Kostüme: Bernhard Duss). Diese aufblitzenden Gag-Prisen würzen eine Aufführung, die das Aargauer Symphonie Orchester und das Ensemble vor heikle Aufgaben stellt. Dem Publikum zupass kommt die überm Eingang situierte Orchesterbühne. Denn das erlaubt ihm den freien Blick auf die Spielfläche, nicht aber dem Dirigenten Douglas Bostock. Dennoch scheint er seine Augen allerorten zu haben. Das ASO spürt den Verästelungen von Bizets pulsierender und fein gesponnener Musik hellhörig nach. Bisweilen bemüht es sehr kräftige «Farben», doch ein Open Air hat seine eigenen Gesetzmässigkeiten. An der glutheissen Premiere wirkte alles noch etwas verhalten. Doch am Eindruck einer sehenswerten, erfreulich unprätentiösen Aufführung ist nicht zu rütteln. 


 

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