HOME | PRESSE | SPONSORING | STELLEN | KONTAKT | ASO INTERN 
Home
Home
Pressespiegel 2012/2013
Archiv Pressespiegel
Archiv Presse 2011/2012
Archiv Presse 2010/2011
Archiv Presse 2009/2010
Archiv Presse 2008/2009
Archiv Presse 2007/2008
Archiv Presse 2006/2007
26.06.2007
25.05.2007
22.05.2007
18.05.2007
14.05.2007
20.03.2007
22.01.2007
08.01.2007
07.11.2006
06.11.2006
26.09.2006
22.09.2006
20.09.2006
18.09.2006
Liebesrausch im Schlosshof
08.08.2006
Oper 2006
Opernschmaus im Wasserschloss
Eine düstere Geschichte
Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

Beglückende Verwirrung

 

Aargauer Symphonie-Orchester

Der Zyklus 3 wurde in Muri und Aarau gespielt. Mit Beethovens «Eroica» stellte sich das ASO einer grossen Herausforderung.

 

Christian Berzins (MZ, 22.01.2007)
Das Konzert war aus, der Beifall gross, die Sinne waren beglückt - und beim Tritt nach draussen in die Nacht stand der Konzertbesucher nicht auf dem Vorplatz des KKL und auch nicht in der Claridenstrasse vor der Zürcher Tonhalle: Nein, da war der Klosterhof von Muri. Die beglückende Verwirrung rührte daher, dass das Aargauer Symphonie-Orchester (ASO) für eine musikalische Sternstunde gesorgt hatte. Das ASO und Chefdirigent Douglas Bostock hatten durch Willenskraft fasziniert.

 

Ludwig van Beethovens «Eroica» - ein Gipfelpunkt der Sinfonik - konnte das ASO auch vor zehn Jahren spielen. Aber es war dazumal eine Gratwanderung, die (zu) viele Abstriche erforderte. Mit Bostock spielt das Orchester dieses Werk heute auf einem durchs Band bestechenden Niveau.

 

Im akustisch warmen Festsaal des Klosters Muri war zu hören, wie das ASO im Lauf der letzten Jahre gelernt hat, abzuwarten. Da galt es in den Streicherregistern auch einmal zuzuhören, was die Bläser Tolles zustande bringen: Es ist ja gewiss, dass das Streicher-Crescendo dann sowieso bald gross herauskommen wird - darauf muss man nicht (mehr) zielen. Und wenn das Aargauer Symphonie Orchester in der mehr als 50-minütigen Sinfonie in den roten Bereich gelangte, die Balance gefährdet schien, war eben doch zu beobachten, dass die Steuerung nach wie vor funktionierte. Auch im Forte-Jubel konnte Bostock Reserven freilegen. Und so gelangte das ASO auf jene Ebene, wo das simple, allerdings auch erfolgreiche Nachspielen zur grossen, eigenen Interpretation wurde. Hinter die gehörte ASO-Interpretation können allerdings auch Fragezeichen gesetzt - und aufgelöst werden.

 

Die Eindringlichkeit der Streicher war über weite Strecken eindrücklich, dennoch sollten (noch keine) zauberhaften Kunststücke erwartet werden: Sicherheit ging trotz Willenskraft vor. So wurde der «Trauermarsch» nicht im verlangten Pianissimo begonnen, sondern in einem etwas weniger mystischen Mezzoforte. Und im Mittelteil ab Takt 130 des dramaturgisch schwierig zu gestaltenden Satzes herrschte sogar kurz Gefahr, dass der Klang zu episch werden würde, dass sich das Orchester im erreichten satten Klang zu wohl zu fühlen schien. Die Paukenschläge zum Schluss klangen dann auch gar schicksalhaft bebend, passten allerdings zum arg romantischen letzten Aufbäumen der Bässe und Celli in Takt 246. Aber das folgende «Scherzo» war dann so bestechend neutral gespielt, seine Flötensoli so stolz und sicher, dass die Gegensätze geradezu den Reiz der Interpretation ausmachten. Allgemein war es herrlich, mit welcher Risikolust die Bläser - Holz wie Blech - spielten; bestechend, wie gelöst die Soli waren und wie sie ins Ganze eingebunden wurden. Beispiel? Im heiklen Fortissimo-Einsatz bei Takt 29 im «Finale» war nicht ein schwankender Bläser auszumachen. Hier zeigte sich eine eingespielte Präzision, die sich durch die Sinfonie hindurchzog.

 

Mit Luigi Cherubinis Ouvertüre zu «Der Wasserträger» und Othmar Schoecks Hornkonzert op. 65 hatte der Abend begonnen, wie ASO-Abende nun einmal beginnen. In dieser Bemerkung liegt keine Häme, sondern Achtung. Naturgemäss wäre es einfacher beziehungsweise publikumswirksamer, ein Hornkonzert und eine Ouvertüre von W. A. Mozart zu spielen. Aber das ASO sieht es immer noch - auch Jahre nach Räto Tschupps Tod - als seine Aufgabe, das Schweizer Repertoire sowie andere Nischen zu fördern. Cherubinis Ouvertüre war fein ausgehört, und Schoecks Hornkonzert dank Ivo Gass sogar schon der Gang ins Konzert wert. Bei diesem jungen Schweizer Hornisten werden holprige Tonreihen zu süssen Phrasen: Da schweben die lieblichsten Piani, bald wird in trotziger Posthorn-Manier geblasen. Das ASO in Kleinbesetzung folgte wendig und sehr einfühlsam.

 

Eine Präzisierung sei noch erlaubt: Wer in Muri gehört hatte, wie entfesselt das ASO unter der Leitung von Douglas Bostock Beethovens «Eroica» spielte, hatte eigentlich gar keine Sternstunde dieses Klangkörpers miterlebt, sondern das Erreichen eines Zwischenziels in einem kontinuierlichen und eindrücklichen Aufstieg.

 

Wiederholung heute in Aarau, am 24.1. in Baden; jeweils um 20 Uhr.

 

 

<< Zurück
  

 

 

 

Sitemap anzeigenStichwortsuche