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Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

Erst Verschwörung, dann Erfolg


Der Brite Douglas Bostock ist seit elf Jahren Chefdirigent des Aargauer Symphonie-Orchesters (ASO) und naturgemäss einer der Protagonisten der ASO-Jubiläumssaison 2012/2013, in der das Orchester seinen 50. Geburtstag feiert.


Musik und Theater, 12. September, von Christian Berzins


Spätestens am 2. November 2001 kannte jeder Zeitungsleser im Kanton Aargau Douglas Bostock. Damals sagte der neue Chefdirigent des Aargauer Symphonie- Orchesters (ASO) in der «Aargauer Zeitung » unter dem Titel «Entweder nach oben oder wieder weg» famose Satze wie: «Wenn das ASO nicht nach oben will bzw. kommt, dann weiss ich nicht, was ich hier zu suchen habe,  und die Musiker auch nicht.» Politisch wurde es mit einer kühnen Forderung: «Bis nächste Saison muss es in Aarau eine neue Bühne geben.»  Und erzittern liess die Aargauer folgender Gedanke: «Ich denke, dass die finanziellen Möglichkeiten für das Orchester noch lange nicht ausgeschöpft sind. Auch wenn gewisse Politiker meinen, das Produkt ASO sei zu teuer. Sie sollten das Doppelte geben!» Solche Worte hatte man von Bostock- Vorgänger Räto Tschupp (1929 - 2002) nie gehört. Selbst für gewisse Musiker müssen sie ein Schock gewesen sein. Nun war allen klar: Dieser Dirigent will im Aargau nicht Feierabendmusik vor dem Kegelabend machen, sondern etwas erreichen! Jahre später, als ihm der Kanton Aargau immer noch keine Aare-Philharmonie gebaut hatte, nahm er den Ball hartnäckig wieder auf und spielte ihn via lokale Medien erneut an die Politik weiter: «Der Kanton braucht die Philharmonie, einfach gesagt . jetzt!»  Und siehe da, auch der bestens vernetzte Jurist und ASO-Präsident Jürg Schärer sagte im September 2009: «Ziel ist ein Aargauer Konzertsaal.»  


Nähe dank Krise
Doch blicken wir nochmals zurück. Bostock wurde 2001 gewählt, obwohl damals mit dem in Zürich und im Aargau sehr präsenten Marc Kissoczy ein weitum beliebter Kandidat bereitgestanden wäre. Kaum war Bostock im Amt, ging‘s auch schon vor Arbeitsgericht, da es der Brite gewagt hatte, sein Orchester zu hinterfragen: Er hatte altgediente Orchestermusiker zum Vorspielen vorgeladen . und gewisse gar entlassen. Das sorgte für Aufruhr, ja, Bostock sollte gleich wieder gestürzt werden. Die Verschwörer wollten gar den Schreibenden zu sich ins Boot holen. Erfolglos. Das Orchester wurde fortan nationaler und internationaler. Orchestermusiker wurden nun auch jenseits der Kantonsgrenzen gesucht. Mit dem Geldzufluss hingegen haperte es weiterhin. Ja, das Überleben des ASO wurde schon in der Saison 2003/2004 infrage gestellt. Doch die fehlenden Mittel sollte den Briten naher ans Orchester bringen, dirigierte er nun doch zeitweise alle fünf Abo-Zyklen der Saison. Mit Folgen: Das ASO gewann an Konstanz. Wichtig für die Orchesterhygiene waren ab 2003 auch die alle drei Jahre stattfindenden Auftritte bei der Oper Hallwyl, für die man jeweils über fast zwei Monate zusammen war. Bostock würde am liebsten alle zwei Jahre spielen. Seine Argumentation ist einfach: «Spielen wir nämlich bloss alle drei Jahre, müssen wir jedes Mal von vorne anfangen: mit dem Publikum, mit der Werbung, mit den Sponsoren ... Spielen wir jedes zweite Jahr, wird auch mehr Publikum kommen, denn man will einen Rhythmus, will Rituale.»  Wie auch immer, Bostocks kontinuierliche Arbeit trug allmählich Früchte: Es gab nun in Aarau nicht mehr bloss ab und zu ein gutes Konzert wie einst, die ASO-Konzerte zeigten sich konstant auf einem hohen Niveau. Regelmässig wurde das Orchester vom Zürcher Theaterclub in die Tonhalle eingeladen. Balsam für Bostock und die ASO-Musiker. Für alle, die es gewohnt waren, das ASO im akustisch problematischen Kultur- und Kongresshaus Aarau oder in der Badener Trafohalle zu hören, war es überwältigend und ernüchternd zugleich, welche Klangfülle das ASO in der Zürcher Tonhalle plötzlich erreichte. Bostock gestand, dass er anfänglich sogar Gänsehaut hatte. «Es war danach nicht leicht, die Musiker in Aarau oder Baden bei Laune zu halten.»  Und da träumte er dann wieder von seinem Konzertsaal direkt an der Aare. Doch die Bäume wachsen im Aargau nicht in den Himmel. Vorerst. Nach den Sparmassnahmen der Saison 2003/2004 hatte Bostock seine Ziele sowieso relativiert. 2005 sagte er: «Wir müssen zuerst zu Hause Erfolg haben.» Und vier Jahre später, nun aus dem Wissen um die wieder deutlich bessere Positionierung des Orchesters heraus: «Ich habe an diesem Orchester weiterhin viel Freude und finde in dieser Arbeit viel Faszinierendes. Probleme gibt es überall ,  in Aarau wie in Berlin oder New York!» Schon vor seinem Amtsantritt hatte Bostock 1989 und 1992 zwei Gastkonzerte beim ASO gegeben. Damals lancierte er seine Karriere, die ihn nach Karlsbad und Liverpool führen sollte. Mit dem Royal Liverpool Philharmonic Orchestra spielte er sämtliche Sinfonien von Carl Nielsen auf CD ein. Mit dem ASO erarbeitete man zusammen mit dem Pianisten Oliver Schnyder eine Aufnahme mit Musik von Camille Saint-Saens. Immer wieder dirigierte er auch Musik aus seiner Heimat. Der Zufall wollte es, dass das Aarauer Festival «Klangnovember»  im Jahr 2001 als Thema «Grossbritannien» gewählt hatte. So stand sein erstes Konzert als ASO-Chefdirigent am 6. November 2001 unter dem Motto «The Best of British». Werke von Elgar, Delius, Walton, Vaughan Williams und Arnold waren zu hören. Bostock forderte das Publikum. Auch später war es immer wieder so, dass er an einem Konzertabend viel zeigen wollte, bisweilen zu viel. In jüngster Zeit ist das ASO zu kompakteren, klassischeren Programmen übergegangen.


Liebe zu Japan
Besser noch als in Baden oder Aarau scheint es dem 1955 in Northwich geborenen Briten in Japan zu gefallen. 1994 wurde Bostock das erste Mal nach Japan eingeladen, knüpfte Kontakte, hatte alsbald zahlreiche Angebote für Auftritte. Auch privat gefiel es ihm im Land der aufgehenden Sonne. «Japan ist wie ein zweites Zuhause geworden, ja, ein wichtiger Teil meines Seelenlebens.»  Bostock interessiert sich für die japanische Geschichte und Kultur, ist Shintoist und Mitglied eines Schreins in Mie-Ken. Dorthin fährt er jedes Jahr, um sich zurückzuziehen. Auch eine Ecke seiner Wohnung in Reichenau ist japanisch eingerichtet. Auf der Bodensee-Insel lebt der Dirigent in einem 350 Jahre alten Haus, wo Mönche früher Wein kelterten. Ein idealer Ort, um seine Partituren zu studieren - auch unbekannte, spielt man in der Jubiläumssaison doch auch Werke des Aargauer Komponisten Dieter Ammann, der das ASO-Jubiläum als Residenzkünstler begleitet. Im November dirigiert Bostock neben Ammanns Orchesterwerk «Boost» aber auch Erich Wolfgang Korngolds gigantisches Violinkonzert, Solistin ist keine geringere als Caroline Widmann. Als finale Herausforderung folgt zum Saisonschluss Berlioz‘ «Symphonie fantastique» . Hoffentlich als Abschluss einer fantastischen Saison.


Christian Berzins ist Kulturredaktor der Aargauer Zeitung und hat Douglas Bostocks Zeit mit dem Aargauer Symphonie Orchester von Anfang an mitverfolgt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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