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ASO-Portrait/Fotos

Von der Urknallgebärde bis hin zum Nachzittern


Das Aargauer Symphonie Orchester spielt mit «Grooves» erneut ein Werk des 50-jährigen Zofingers Dieter Ammann.


Aargauer Zeitung, Mittwoch 16. Januar 2013, von Christian Berzins

 

Wer auch immer die Musik des 50-jährigen Komponisten Dieter Ammann aufführt, muss sich ihr mit Haut und Haar hingegeben, ob Trio oder grosses Sinfonieorchester. Wer diese Kompositionen «nur» routiniert spielt, scheitert an ihrer hochemotionalen Aussage. Und so war der Schritt des Aargauer Symphonie Orchesters (ASO), Ammann als «composer of the season» auszuwählen, drei seiner Werke anzusetzen, gewagt: Fortschritte des Orchesters in der Flexibilität hin, Offenheit gegenüber Neuem her. Technisch ist das Erarbeiten von Ammann-Werken in wenigen Proben sowieso für jedes Orchester eine grosse Herausforderung.


Feuertaufe im November
Die Feuertaufe gelang dem ASO. Es spielte im November Ammanns «Boost», ein Werk, das am Lucerne Festival im Sommer 2010 von Pierre Boulez uraufgeführt worden war, als Ammann dort Composer in Residence war. «Boost» war zufälligerweise das erste Werk Ammanns, das ASO Chefdirigent Douglas Bostock in seinem Leben gehört hatte. Sofort war der Brite davon gefangen. «Diese Musik ist packend, abwechslungsreich und lässt einen nicht los. Das Orchester spricht eine völlig andere Sprache – klingt also anders – als bei anderen Komponisten.»
Der ob seiner Interpreten oft sehr kritische Ammann war höchst angetan von der Interpretation: «Ich fand die Interpretation sehr gut, ohne auf Lokalpatriot zu machen. Die gründliche Vorbereitung der Musiker und die sorgfältige Probenarbeit von Douglas  Bostock führten zu einer klanglich überzeugenden und von Energie strotzenden Lesart der anspruchsvollen Partitur. Und ich denke, das Publikum hat dies gemerkt und entsprechend honoriert.»


Fortsetzung Mitte Januar
 Dieses Publikum kriegt im Januar- Zyklus des ASO mit «Grooves - fitting one» die Möglichkeit, ein zweites, 15-minütiges Werk des Zofinger Komponisten kennen zu lernen. Es wurde 2001 für kleines Orchester ohne Klarinetten, Trompeten und Posaunen geschrieben. Gefordert ist das ASO allerdings genauso. Dirigent Bostock betont, dass Ammans Musik sehr komplex sei, auch wenn sie oft spontan, plastisch, sogar plakativ – «im besten Sinne des Wortes!», wie Bostock betont – klingt. «Ammann schreibt auf Papier sehr genau auf, was er im inneren Ohr hört. Seine Notation ist akribisch wie bei kaum einem anderen Komponisten. Nichts ist dem Zufall überlassen, was aber nicht heisst, dass die Musiker sich im vorgegebenen Rahmen nicht ausdrücken können. Im Gegenteil! Die Schwierigkeiten liegen im technischen Bereich.» Die einzelnen Stimmen seien zum Teil recht anspruchsvoll und würden neben den herkömmlichen auch ungewöhnliche Spielarten verlangen. «Die Taktarten und Rhythmen sowie die Verhältnisse zwischen den Tempi sind oft recht vertrackt. ‹Grooves› ist mit allerlei Überraschungen gespickt. Die Musik drängt permanent vorwärts, das gefällt mir an ihr!»


Tonlos zischen
Keine leichte Aufgabe also, schaut doch Ammann via Angaben in der Partitur den Musikern quasi dauernd auf die Finger: «tonlos gezischt», «sehr weich» oder «Saiten total abgedämpft» heisst es da etwa. Als «Grooves» 2001 am Musikmonat Basel uraufgeführt worden war, da sprach man Ammann eine berstende Vitalität zu. Der Titel des Werks, «Grooves», zeigt durchaus Ammanns damalige wie heutige Nähe zur (exakt notierten!) improvisierenden Musik. «Grooves» meint einerseits «Furchen», die sich als Tonfolgen oder Rhythmusmuster durch Teile des Werks ziehen. Zum andern bezeichnet das Wort den geradezu körperlich erlebbaren Puls, der Ammanns Musik auszeichnet. «Fitting» schliesslich verweist auf eine Montagetechnik, die quasi verschiedene Grooves übereinanderschichtet.


Nächster Höhepunkt im April
Zu akademisch? Wer damals Ammann im Konzertsaal erlebte, wurde überwältigt. Die Kritik war begeistert ob der Suggestionskraft, der Urknallgebärde bis hin zum perkussiv atomisierten Nachzittern. Und so wurde denn der Aargauer damals von der «Neuen Luzerner Zeitung» als einer der interessantesten Komponisten seiner Generation gefeiert. Auch Douglas Bostock ist dieser Tage begeistert: «Ammanns Musik atmet eine eigene Luft. Sicherlich gehört er zu den interessantesten und auch wichtigsten zeitgenössischen Komponisten Europas.» Der nächste Höhepunkt steht bald an, bei den Wittener Tagen für Neue Musik wird Stargeigerin Caroline Widmann Ammanns Violinkonzert aufführen, wobei Konzert vielleicht die falsche Bezeichnung ist: «Mein Violinkonzert », so Ammann, «wird nicht eine gewohnte ‹Repertoirelänge› erlangen. Es ist unglaublich dicht gearbeitet und enthält eine Fülle von klanglichen Gestaltungsmöglichkeiten, gerade auch im sehr gewichtigen Orchesterapparat – man könnte eigentlich eher von einem ‹Konzertsatz für Orchester und solistischer Violine› sprechen. Wolfgang Rihm meinte kürzlich in einem Telefongespräch, das Mendelssohn-Konzert sei für ihn insofern ideal, weil das Orchester so sparsam behandelt werde, dass man von der Violine immer alles höre. In diesem Sinn wäre dann mein Werk eher eine Art Gegenentwurf dazu», sagt Ammann lächelnd. Der Zofinger bleibt sich treu: Lieber intensiv und kurz, als ausgedünnt und lang. «Ich mache keine Kompromisse in der Umsetzung der künstlerischen Vision!», sagt er und lächelt ob der Pathetik, die in diesen Worten liegt, meint dann aber entschieden: «In einer Welt der Norm und der Durchschnittlichkeit ist es für die Kunst nicht nur Privileg, sondern geradezu Pflicht, kompromisslos und eben nicht Abbild von Durchschnitt zu sein.»

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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