HOME | PRESSE | SPONSORING | STELLEN | KONTAKT | ASO INTERN 
Home
Home
Pressespiegel 2012/2013
28.08.2012
04.09.2012
12.09.2012
24.09.2012
04.11.2012
06.11.2012
12.11.2012
31.12.2012
03.01.2013
16.01.2013
19.03.2013
25.04.2013
27.04.2013
29.04.2013
29.04.2013-2
29.04.2013-3
Archiv Pressespiegel
Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

Von Bocksbeinen und fliessendem Melos


Das Aargauer Symphonie Orchester mit einem Eröffnungskonzert zum 50-Jahr –Jubiläum in der Trafo-Halle Baden


Aargauer Zeitung, Montag, 24. September 2012, von Tom Hellat


Heute nennt man es Prokrastination. Das Aufschieben von Arbeit. Brahms kannte es auch. Lange vierzehn Jahre hat er gebraucht für seine erste Sinfonie, um aus dem Schatten von Beethoven zu treten. Einer vergällte ihm aber die Freude. Hans von Bülow bezeichnete in einem Anflug von Ironie dieses c-Moll-Werk als Beethovens zehnte Sinfonie. Brahms dürfte sich blau geärgert haben, denn das ist sie nicht, ganz und gar nicht. Und als wollte Simon Gaudenz als Gastdirigent des Aargauer Symphonie-Orchesters dies postum nochmals beglaubigen, vermeidet er in seiner Interpretation jedwede rhythmische Überbetonung und beethovensches Pathos, dafür legt er vielmehr gesteigerten Wert auf das Melos der Sinfonie.

 

Fluss gebremst

Fliessen soll es, überall hin und immer weiter. Er lässt die Musiker atmen, lässt der Musik ihren Lauf, wohin auch immer sie mäandert. Manchmal ist das sehr schön. Und manchmal aber auch weniger. Vor allem dann, wenn dieser Fluss durch kleinere Unsauberkeiten gebremst wird. Wenn im vierten Satz das Alphornthema erklingt, wäre das wie ein C Dur-Lichtstrahl aus dem Paradies in eine dunkle, herbe Moll-Klangwelt. Doch die Hörner verschleifen den Einsatz und der Eintritt in diesen musikalischen Himmel ist für Sekundenbruchteile verwehrt. Statt des sorgenfrei-reinen Gewands eines Engels zuckt man ob der haarigen Bocksbeine eines Fauns zusammen.

Die Einsätze kommen beim Aargauer Symphonie-Orchester zu oft unkontrolliert, und aus dem sonst so schönen melodischen Drängen wird dann ein überhastetes Drängeln (das gilt auch für Wagners Ouvertüre aus «Der fliegende Holländer»). Und doch: Immer wieder beginnt die Musik zu singen und das Orchester zeigt, was für ein Potenzial in ihm liegt. Die statisch-verharrenden Choraltakte in den Posaunen etwa gelingen als ein geheimnisvoller Zauber, der einen sofort umfängt. Und so als sei der Weg nun frei, die Luft rein, stimmen die Streicher dann den sonoren Gesang des Hauptthemas an. Und ab hier hält Gaudenz das Geschehen ohne Stockungen im Fluss. Die Musik schwebt – bis hin zur fulminanten Schlussstretta. Zwar nicht immer auf Wolke sieben, aber doch öffnet sie am Ende noch Tür und Tor ins Himmelreich der romantischen Musik.

 

Ohne virtuose Show-Einlagen

Von Anfang an befindet sich in einem solchen David Riniker in Schumanns Cellokonzert Op. 129. Sein Ton ist elegant und stets bescheiden. Und doch scheint alles von musikalischer Kraft gespeist und tief empfunden. Nichts wirkt unwillkürlich oder unkontrolliert; jedes Motiv ist bei ihm ein eigenes musikalisches Kleinod. Mal hält er es transparent mit beiden Händen ins Licht, mal packt er es mit der Fingerspitze in Watte. Und eines fällt beim Cellisten der Berliner Philharmoniker sofort auf: Es geht ihm keinesfalls darum, sein Instrument virtuos in den Vordergrund zu stellen. Das wäre wohl auch das Falscheste, das man der Musik Schumanns antun könnte. Denn niemals ist die Melodie – im grösseren Zusammenhang gedacht – als Bravourstück ohne die eng verwobene Einbindung in die Begleitung komponiert. Und die gestaltet das Aargauer Symphonie- Orchester, angefeuert von der unaufdringlichen Autorität Rinikers, eindrucksvoll. Es ist der sanfte, sehr sangliche Ton des Cellisten, der sich gut mit dem melodischen Ansatz des Orchesters versteht und sich auch mit Schumanns Vorstellungen vom Zusammenspiel von Solist und Orchester decken dürfte. Da spricht es für sich, dass Riniker sogar bei der Brahms-Symphonie mitspielte – nicht als Solist, sondern als Teil des Orchesters.

 

 

zu unserer Fotogalerie auf Facebook>>

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sitemap anzeigenStichwortsuche