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Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

Heisses Schwärmen in trockener Umgebung

 

Das Aargauer Symphonie Orchester spielt das Programm «Romantik pur!» in Baden und Aarau.

 

(Aargauer Zeitung, Christian Berzins, 12. März 2012)

 

Die bald 80-jährige Dame war schon vor der Pause ganz zappelig vor Vorfreude, «endlich wieder einmal Tschaikowskys 1. Klavierkonzert!». Von unserem sanften Einwand, dass auch Johannes Brahms zuvor gehörte 3. Sinfonie ihre Qualitäten über die letzten 130 Jahre bewiesen hätte und dass das Aargauer Symphonie-Orchester (ASO) das heikle Werk bravourös gespielt hätte, wollte sie gar nichts wissen.

 

Wir erlauben uns, unsere Einwände an dieser Stelle dennoch kurz auszuführen.Denn der Höhepunkt des März-Programms unseres Aargauer Sinfonie-Orchesters – grosser Jubel nach dem Tschaikowsky-Konzert hin oder her – war die Aufführung der 3. Sinfonie von Brahms. Hier kamen die Qualitäten des ASO und seines Chefdirigenten Douglas Bostock sowie auch die Früchte einer jahrelangen Zusammenarbeit bestens zum Tragen.

 

Anrüchiger Hauch Romantik

 

Schon der Sinfonie-Beginn – dieses in den Bläsern vorgegebene, dann von den Streichern tollkühn aufgenommene schicksalhafte Motiv – zeigte, wie klug und überlegt da ein anrüchiger Hauch Romantik mit einer modernen Leichtigkeit ausgebremst, abernicht ganz gestoppt werden sollte. Anstatt eine Klangseligkeit zu suchen, die in der seelen- und klanglosen Trafo- Halle (sowie auch im KuK Aarau) sowieso verloren gegangen wäre, wählte Bostock ein forsches Vorangehen und entging so der Gefahr der Schwülstigkeit. Umso schöner zeigten sich die feinen kammermusikalischen Wechselspiele im Inneren des Orchesters. Anstatt in falsche wienerische Schwärmereien zu verfallen, zeigte man den wertgesicherten, britisch angehauchten ASO-Ton. Und mit diesem Zugang war es endlich wieder einmal deutlich hörbar, wie Brahms (1833–1897) die Verbindung zu Joseph Haydn (1732–1809) tatsächlich nicht abreissen lassen wollte.

 

Dass eine geheimnisvolle Sinfonie mit einem leisen Schluss nicht denselben spontanen Jubel findet wie ein aufbrausend-spektakuläres Klavierkonzert, liegt in der Natur der Sache. Der Unterschied war am Samstag aber gar riesig, ja bitter.

 

Schlachtross des 19. Jahrhunderts

 

Doch bejubelt wurde nicht irgendein Klavierkonzert, sondern das Schlachtross des pianistischen 19. Jahrhunderts: Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 1, b-Moll, op. 23. Es passt perfekt zum Titel des ASO-Zyklus«Romantik pur!».

Mit dem jungen Koreaner Jinsang Lee hatte man einen stürmischen Romantiker engagiert, der sich gleich zu Beginn ohne falsche Bescheidenheit vorstellte. Doch ob des prächtigen Ausreizens der Klangpalette, ob der Wucht auch, ging in den heiteren und eigentlich leichtfüssigen Stellen bisweilen die Verspieltheit verloren, wobei das Orchester daran wohl nicht ganz unschuldig war. Aber es ist zu erwarten, dass in den Folgekonzerten zu einem besseren Dialog gefunden wird. Obwohl das «Andantino semplice» im zweiten Satz wahrlich schlicht und anrührend klang, fehlte es dem darauffolgenden «Allegro vivace» an der gewünschten Leichtigkeit. Doch waren die feurigen Geister im folgenden dritten Satz mal gerufen, gab es kein Halten mehr: Lee und das Orchester stürmtentriumphal dem Jubel entgegen.

 

Musikalisch jubelnd hätte das Konzert auch beginnen sollen, stand doch da nichts Geringeres als Richard Wagners Vorspiel zu den «Meistersingern von Nürnberg» an. Aber auch hier wollte die Balance zwischen den feinen Einschüben und den mächtigen Klangentladungen nicht ganz stimmen, obwohl mit Bedacht auf einen kühn-scharfen Streicherzug eine Linie in diese Klangausschweifungen gebracht werden wollte. Doch die Präzision liess hier noch zu wünschen übrig

 

Vergleich mit Zürcher Orchester?

 

Interessanterweise waren in der letzten Zeit sowohl Wagners «Meistersinger »-Vorspiel wie auch die Brahms-Sinfonie in Zürich sehr präsent – einerseits in der Oper, andererseits in der Tonhalle. Im Wagner-Vergleich von ASO mit Bostock und Opernorchester mit Daniele Gatti war die Differenz enorm. Im Vergleich mit dem Brahms spielenden Tonhalle-Orchester unter David Zinman aber unterlag man zwar auch, aber erst nach 12 Runden knapp nach Punkten. Reizvoll: Am 22. April wagt man sich mit diesem Programm in die Zürcher Tonhalle.

Wie auch immer dieser Ausflug enden wird: Das Aargauer Wagnis, ja vielleicht gar die Anmassung, dieses herausfordernde, gross besetzte romantische Programm angesetzt zu haben, hat sich gelohnt. Sowohl die vollen Säle in Baden und Aarau wie das (zum Schluss) begeisterte Publikum und die zufriedenen ASO-Gesichter zeugten davon.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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