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Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

«Ohne Risiko entsteht keine grosse Musik»

 

Der Pianist Jinsang Lee spielt mit dem Aargauer Symphonie Orchester in Aarau und Baden. Ein Portrait des Géza-Anda-Preisträgers 2009.

 

(Aargauer Zeitung, Thomas Meyer, 8. März 2012)

 

Es war ein denkwürdiges, geradezu dramatisches Finale, damals beim Concours Géza Anda 2009 in Zürich: Zwei russische Kandidaten hatten zuvor gespielt, Beethoven, ordentlich, aber nicht besonders inspiriert. Mit der Hoffnung, danach möge sich das Blatt deutlich zum Besseren wenden, ging man in die Pause – und wurde danach nicht enttäuscht: Vom ersten Klavierakkord weg deutete der Südkoreaner Jinsang Lee an, dass er das heikle, schwer zu bewältigende 1. Klavierkonzert von Johannes Brahms bewusst gestalten wollte und konnte.Das polyfone, rhythmisch komplexe Liniengeflecht klang ebenso transparent wie die Pianissimo- Passagen zart, aber er setzte auch heftige, nie harte Akzente, trieb das Orchester an und behielt stets den Überblick. Eine grossartige Leistung. Es wäre schlicht ein Skandal gewesen, wenn dieser schüchtern wirkende junge Mann nicht den Jurypreis davongetragen hätte. Und es erstaunte auch nicht, dass er zum Hauptpreis auch gleich den Publikumspreis sowie jene für die beste Mozart- und Schumann-Interpretation erhielt. Seine Ausstrahlung sprang auf alle über. Man hatte hier nicht bloss ein grosses Talent, sondern einen reifen, eigenständigen Künstler erlebt.

 

Seine Konzerte haben seither diesen Eindruck bestätigt: Jinsang Lee begeistert das Publikum und die Kritiker. Der Concours und Zürich hätten ihn damals stark motiviert, sagt Jinsang Lee im Gespräch. Und er habe hier viel Unterstützung erfahren für sein weiteres Musikerleben. Nicht nur wegen eines Preisgeldes, wie man es bei jedem Wettbewerb erhält, sondern durch die zahlreichen Konzerte, die vermittelt würden. «Der Concours ist also der Anfang einer sehr persönlichen Beziehung.»

 

Gestaltungskraft des Vaters

 

1981 kam er in Seoul zur Welt. Er stammt nicht aus einer musikalischen Familie, und doch scheinen sich in seinen pianistischen Fähigkeiten jene der Eltern zu spiegeln: die Gestaltungskraft des Vaters, eines Architekten, und die Behändigkeit und Geschmeidigkeit der Mutter, einer professionellen Pingpongspielerin. «Pingpong ist eine sehr musikalische Sportart. Ich kenne viele Musiker, die es gern spielen.» Zur Musik kam Jinsang Lee eher durch Zufall: Er begleitete seine Schwester zum Klavierunterricht und war sofort Feuer und Flamme. Zunächst studierte er in Korea, ab 2003 setzte er seine Studien in Deutschland fort. Er gewann bereits mehrere Wettbewerbe, bevor er nach Zürich kam. So selbstverständlich das alles klingt, so ist doch anzufügen, dass Jinsang Lee nicht eine geradlinige Karriere verfolgt. Er ist eher der Typ des ständigen Zweiflers, er hinterfragt seine Arbeit, arbeitet an bestimmten Problemen, interessiert sich intensiv für Klavierbau, sucht weiter – und träumt auch ein bisschen.

 

Stärkere Selbstdisziplin

 

Für den Concours Géza Anda habe er sich denn auch angemeldet, weil er zu einer stärkeren Selbstdisziplin zurückfinden und sein Spiel in den Griff bekommen wollte. Das gelang ihm damals auf eindrückliche Weise. Er sei zunächst sehr nervös gewesen, erinnert sich Jinsang Lee heute noch. «Doch nach drei Runden hatte ich das Gefühl, das Publikum freue sich auf mein Spiel.» Das motivierte ihn auf positive Weise. So wagte er sich an das leidenschaftlich aufgeladene Brahms-Konzert, ein Stück, das er erst kurz zuvor einstudiert und noch nie öffentlich gespielt hatte. «Ich wollte es unbedingt einmal spielen und habe es ganz mutig ausgewählt. Und ich glaube: Ohne Risiko entsteht keine grosse Musik.»

 

Persönlich geprägtes Spiel

 

Die bei Musikern aus dem Fernen Osten häufig argwöhnisch vermutete Glattheit der Interpretation wird man bei Lee nicht hören. Sein Spiel ist sehr persönlich geprägt: Von der Situation, dass er als Koreaner weit weg von seiner Heimat in Europa lebt, aber auch von einer tiefen Nostalgie. Sehnsucht sei nach der Liebe die zweite grosse Emotion für die Musik, meint Lee.

 

Vielleicht spielt er deshalb so gern Chopin. Auch das 1. Tschaikowsky- Konzert, das er nun mit dem Aargauer Symphonie-Orchester unter Douglas Bostock aufführt, dürfte ihm von da her liegen. Lee liebt die Gesanglichkeit des Klavierspiels. Wie viele Pianisten vor ihm versuche er auf diesem Instrument, das so weit von unserem Körper sei, den Atem, die Schwingung, das Belcanto der menschlichen Stimme hervorzubringen. «Ich denke, dass ich noch nicht so gut singen kann auf dem Klavier», sagt er, einmal mehr äusserst selbstkritisch. «Es ist ein Versuchen. Technisch ist es ja unmöglich, auf dem Klavier zu singen, aber es geht um den Willen, geistig dorthin zu gelangen. Das ist faszinierend. Nicht in der Realität zu bleiben, sondern zu träumen …»

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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