Mit Kultur gegen den Weihnachtsstress Adventsprogramm. Kaspar Zehnder dirigiert am Sonntag die ASO-Familienkonzerte. (Aargauer Zeitung, 15. Dezember 2011, Lorenz Barazetti) Genervte Eltern schleifen ihre Kids durch die verstopften Altstädte und Ladenstrassen. Es riecht weniger nach Lebkuchengewürz und heissen Marroni denn nach Konflikt. Schnell noch Verlegenheitsgeschenke für die Verwandten und die letzten Zutaten für das XXL-Weihnachtsmenü einkaufen. Stressig ist sie, die berühmte Woche vor Weihnachten. Entspannung gefällig? Woher soll man da noch die Zeit nehmen, die unzähligen Advents- Kulturangebote «für die ganze Familie» zu besuchen? Haben die denn kein schlechtes Gewissen, sie könnten Mama, Papa und die Kleinen noch mehr stressen? «Wir wollen niemanden stressen. Viel mehr bietet zum Beispiel unser Weihnachtskonzert einen Moment der Ruhe und Entspannung», findet Kaspar Zehnder, der am Sonntag gleich zwei Familienkonzerte des Aargauer Symphonie- Orchesters dirigiert: in der Trafohalle Baden und in der Bärenmatte Suhr. «Und eigentlich ist es ja schöner geworden, die Weihnachtszeit auszuleben, bei diesem vielfältigen Angebot überall. Wir versuchen, dem allgemein wahnsinnig stressigen Alltag der Menschen mit Musik entgegenzuwirken.» Um das Publikum am Konzert nicht noch mehr zu belasten, ist denn auch das Programm eher leicht und locker und regt die Produktion von Glückshormonen an. «Die Ouvertüre aus der Rossini- Oper ‹Der Barbier von Sevilla› ist fröhlich, Strawinskys ‹Circus Polka Composed for a Young Elephant› ist spielerisch und ‹La Boutique Fantasque›, wieder von Rossini, erinnert mich selber an Kinderspielzeug oder an eine Drehbühne im Theater», schwärmt der ehemalige Dirigent der Prager Philharmonie. Das Programm gefällt ihm offensichtlich, obwohl er es nicht selbst zusammengestellt hat. «Es ist ziemlich amerikanisch angehaucht und orientiert sich stärker an den Weihnachtsfestivitäten als am christlichen Hintergrund von Weihnachten.» Das Programm ist also ziemlich opulent, leicht kitschig und dazu noch durch Lichtorgeln visuell untermalt. Brauchtum vor Religion Nicht primär religiös sei Weihnachten auch oft in Osteuropa, erinnert Kaspar Zehnder sich an seine Zeit in Prag zwischen 2005 und 2008. Das weihnachtliche Brauchtum ist im ehemals kommunistischen Osten zwar Tradition. Da aber viele Menschen Atheisten seien, spiele der Glaube dabei keine so grosse Rolle mehr. Dass Zehnder aus einer Pfarrersfamilie stammt, regt bei ihm selbst während der Weihnachtszeit aber schon religiöse Gefühle an. «Mein Zugang zu Weihnachten ist protestantisch geprägt und das Fest bedeutet für mich auch den besinnlichen Rückzug in die familiäre Wärme. Im Gegensatz zu meiner Frau: Sie stammt aus Rumänien und ist orthodoxe Christin. Bei ihr ist es schöne Tradition, an Weihnachten um die Häuser zu ziehen und Freunde zu besuchen. In jedem Haus gibt es zu essen und zu trinken und es wird gesungen.» Neben dem Aargauer Symphonie-Orchester bieten Aargauer Kulturhäuser ein vielfältiges Programm rund um Weihnachten. |