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Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

«Le Roi David» in klirrendem Kleid

 

Schola Cantorum Wettingensis und das Aargauer Symphonie Orchester spielten Honegger.

 

(Aargauer Zeitung,Tom Hellat, 8. März 2011)

 

Walter Küng taucht in die Tiefen seiner Erzählstimme – dort gurgelt, brummt und braut er als Hexe von Endor seinen vokalen Hexentrank. Und weckt im Orchester Geister, die sich flirrend in Bewegung setzen. Schauerlich geht es in dieser Klanghöhle zu, und man scheint Ohrenzeuge zu werden von den allerersten, akustisch herumkrabbelnden und zischenden Elementen. Hier ist ein Klangmagier am Werk, und das, obwohl er kein Sänger ist, sondern Erzähler! Erzähler in Arthur Honeggers Oratorium «Le Roi David», wo das bewegte Leben des Königs David von der Berufung des Hirtenknaben, ekstatischen Geisterbeschwörungen, seinem Kampf mit dem polternden Riesen Goliath bis hin zu dem sündigen Begehren nach Bathseba durchschritten wird.

 

Karge Instrumentationskunst

 

Das alles ist natürlich etwas viel Handlung für ein einziges Oratorium. Und es ist die Schwierigkeit jeder Interpretation, die verschiedenen Facetten unter einen Hut zu bringen, ohne dass der Spannungsbogen abreisst. Der Dirigent Douglas Bostock windet sich elegant aus dieser Überfülle- Klemme, indem er Honeggers karge Instrumentationskunst ernst nimmt und seiner tableauhaften Reduktion Rechnung trägt mit mal schemenhaften, mal dampfend bewegten Momentaufnahmen. So jagt er groteskes Getöse von lauter Ruppigkeit durch das Kriegsgeheul der Saul-Schergen; die «Märsche der Israeliten» lässt das Aargauer Symphonie- Orchester unter seiner Leitung zuweilen in gespenstisch skelettierten Klängen erstehen. Das Programmheft spricht von «entschlackter Musik», die wird dem Zuhörer auch gehörig eingepaukt. Denn Bostock zieht seinem David nicht das expressionistisch-schüttere Kostüm aus! Und seine Interpretation gewinnt dadurch an Klarheit im Ausdruck und Transparenz im Klang.

 

Der grosse Chor Schola Cantorum Wettingensis erweist sich hierfür als überaus agiler und vielfältiger Illustrator des Geschehens. Besonders wenn es stürmt und wenn das Volk als homofon schreiender Ankläger auftritt, hat der Chor seine eindrücklichen Momente. Und auch die Solisten (Franziska Welti, Sopran; Christina Daletska, Alt; Valentin Gloor, Tenor) zeigen sich wandlungsfähig und konzentriert. Musikalisch ausgewogen steigern sie sich in den dramatischen Szenen zu einem textverständlichen Klangkörper. Sowohl die zarten mit innigem Ausdruck zu singenden Nummern als auch der fulminant aufgeschichtete Schlusschor mit einem eingearbeiteten Hugenottenpsalm werden mit viel Gefühl für die Musik gestaltet. Dabei wird von der Kargheit des Tonsatzes à la Strawinsky (den Honegger selbst sehr schätzte) bis hin zu wagnerscher Fülle eine immense Klangpalette aufgefächert. Honegger, der Mann auf der 20er-Note, ist, um es in kompromissloser Bankensprache zu sagen, sein Geld mehr als wert.

 

Interpretatorische Aspekte fehlten

 

Dafür wird Mozart diesmal etwas unter seinem Wert verkauft. Das Aargauer Symphonie-Orchester spielt dessen späte Sinfonie KV 543. Sicherlich ein ästhetischer Genuss: Die Musiker und Musikerinnen verfügen über eine hervorragende Kultur des Zusammenspiels und der klanglichen Ausgewogenheit. Letzteres vielleicht ein wenig zu sehr. Denn vermissen lassen sich interpretatorische Aspekte, wie sie in der historischen Aufführungspraxis erlebt werden können: schlanker Klang, scharfe Zeichnung der dynamischen Kontraste, flexible und markante Artikulation. Das Aargauer Symphonie-Orchester bevorzugt einen bisweilen gefälligeren Mozart – wie mit einer Schicht Lack überzogen. So ist ihr Mozart zwar bestens geeignet, um sanft darüberzugleiten, die Ecken und Kanten, unerwartete Wendungen bleiben jedoch aus.

 

 

 

 

 

 

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