Saxofon trifft Sinfonieorchester
Der griechische Saxofonist Theodore Kerkezos spielt mit dem Aargauer Symphonie Orchester.
(Aargauer Zeitung, Tom Hellat, 27. Dezember 2010)
Das Saxofon ist berühmt für seinen rauchigen Klang, und es ist so was wie der Tonangeber jedes ebenso rauchigen Jazzlokals. In einem Sinfonieorchester, eingebettet in gepflegten Streicherklang, ist es eher selten anzutreffen.Und als Solist eines Sinfonieorchesters ist es erst recht etwas Besonderes. Der griechische Saxofonist Theodore Kerkezos weiss davon ein Lied zu singen: «Mit dem Saxofon verbinden die meisten erotisch klingende Jazz- und Popsongs. Dass es auch in der Klassik wunderbare Saxofonstücke gibt, vergisst man gerne.»
Ja, was wäre, wenn es statt 1840 bereits zweihundert Jahre früher einen Adolphe Sax gegeben hätte und er das Saxofon früher erfunden hätte? Bestimmt hätten dann Ludwig van Beethoven oder Wolfgang Amadeus Mozart auch für Saxofon komponiert. Es gäbe dann Saxofonsonaten oder eine Missa Solemnis mit obligatem Saxofon. Das ist aber Spekulation, denn das Sax ist und bleibt ein junges Instrument. Und sein schmales Repertoire muss umso intensiver gepflegt und ausgesucht werden. «Als Saxofonist hat man es tatsächlich schwer, im Museum der Klassik ein Zimmer zu reservieren.» In dieses Zimmer aber laden nun Kerkezos und das Aargauer Symphonie Orchester unter der Leitung von Marc Kissoczy ein. Für Entdeckungen und Überraschungen ist da gesorgt. Denn die Setlist für ein Konzert stellt Kerkezos immer aus Unbekanntem und Aktuellem zusammen (diesmal mit den beiden Komponisten Mikis Theodorakis und Pedro Iturralde). «Ganz so, wie es sich auch für einen Auftritt an einem grossen griechischen Fest geziemen würde», sagt Kerkezos mit leichter Ironie.
Alle Gefühle ausdrücken
Festlich-frisch und von südländischem Temperament ist auch Kerkezos’ Klang: «Mit dem Sound des Saxofons kann ich alle Gefühle ausdrücken, die ich möchte. Und beim Musikmachen ist das die Hauptsache.» Klänge erscheinen dem Musiker wie die Farben eines Gemäldes, mit denen er umzugehen versteht. Sein eigener Ton ist leicht und verträumt und doch von unheimlicher Intensität. Ausdruck sei ihm immer wichtiger gewesen als Technik, sagt er. So spielt Kerkezos sein Saxofon melodisch üppig, emotional unauslotbar, nach Bedarf rau oder butterweich. Er ist einerseits der grosse Meister des sauberen Klangs aus dem Geiste der Klassik und verfügt trotzdem über den überschäumenden virtuosen Impetus seiner griechischen Vorfahren.
Doch es geht ihm um mehr: «Musik macht aus allen, den Zuhörern wie den Interpreten, bessere Menschen», ist er überzeugt. Aber ist das nicht etwas naiv, zu glauben, mit Musik könne man die Welt verändern? «In einem Konzert geht es darum, die Leute in eine andere Sphäre zu führen und zu unterhalten. Auch ein Profimusiker, dem die Musik auch Broterwerb ist, kann während des Spielens nicht an eine Rechnung denken, die er zu zahlen hat!» Bei der finanziell angespannten Lage in Griechenland ist das eine ganz besondere Herausforderung.
Aber auch das Schweizer Publikum lässt sich wohl zum neuen Jahr gerne von Kerkezos an der Hand nehmen in eine Welt ohne Rechnungen und Krankenversicherungsbelege, dafür mit umso mehr griechischem Feuer und schillernden Klangfarben.