HOME | PRESSE | SPONSORING | STELLEN | KONTAKT | ASO INTERN 
Home
Home
Pressespiegel 2012/2013
Archiv Pressespiegel
Archiv Presse 2011/2012
Archiv Presse 2010/2011
18.06.2011
16.06.2011
10.05.2011
10.05.2011
06.05.2011
05.05.2011
02.05.2011
07.04.2011
08.03.2011
03.03.2011
17.01.2011
30.12.2010
28.12.2010
27.12.2010
23.12.2010
20.12.2010
14.12.2010
16.11.2010
15.11.2010
12.11.2010
06.11.2010
02.11.2010
28.10.2010
20.10.2010
10.10.2010
15.09.2010
11.09.2010
08.09.2010
06.09.2010
Archiv Presse 2009/2010
Archiv Presse 2008/2009
Archiv Presse 2007/2008
Archiv Presse 2006/2007
Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

«Ein erhabenes und schweisstreibendes Gefühl»

 

Der 37-jährige Aargauer Pianist Oliver Schnyder tritt in diesen Wochen gleich mehrmals in Aarau auf.

 

(Aargauer Zeitung, Christian Berzins, 28. Oktober 2010)

 

2009 schrieben wir: «Oliver Schnyder ist zurzeit überall anzutreffen.» Jetzt treten Sie mit dem Aargauer Symphonie-Orchester auf, spielen Kammermusik in Boswil, sind im Tonstudio – und auf CD erscheinen Lieder mit Noëmi Nadelmann. Ist 2010 noch mehr los als 2009?

 

Oliver Schnyder: Die äussere Wahrnehmung scheint zyklisch zu sein. Als Künstler kann man das kaum beeinflussen, aber selbstverständlich ist immer viel los. Im Zuge meiner diesjährigen Migros-Kulturprozent-Classics-Tournée mit dem WDR-Sinfonieorchester unter Semyon Bychkov war mein Name in der Schweiz wohl präsenter als auch schon. Vielleicht hält das sogar noch ein wenig an, bin ich doch in der Saison 11/12 mit dem Philharmonia Orchestra London unter Philippe Jordan für vier Konzerte hier im Lande unterwegs. Darauf freue ich mich ganz besonders.

 

Mit dem Aargauer Symphonie-Orchester spielen Sie Mitte November Brahms’ 1. Klavierkonzert. Ich habe vor kurzem mit Rudolf Buchbinder über Brahms 1 und Brahms 2 gesprochen, und er hat sich naturgemäss weder zum einen noch zum anderen bekannt. Aber kann ein Pianist das eine Konzert wirklich genauso lieben wie das andere?

 

In dieser Beziehung sind wohl alle Pianisten bigam! Es ist auch für mich schwierig, objektiv einem der Konzerte den Vorzug zu geben. Beide sind absolut grossartig und Meilensteine des Repertoires. Eigentlich ist es interessant: Bei den Beethoven- Konzerten hat jeder Pianist seinen Favoriten. Bei Mozart wird die Entscheidung schon schwieriger.

 

Die beiden Brahms-Konzerte sind völlig unterschiedlich, jeder Hörer hat seine Vorliebe. Da muss doch auch ein Pianist eine haben!

 

Wenn Sie mich nach meinen zwei liebsten Klavierkonzerten fragen, sage ich aus dem Bauch heraus: Beethovens viertes und Brahms’ erstes. Dass ich mich in Sachen Brahms also doch entscheide, entgegen meiner ersten Antwort, hat mit meiner Biografie und meinem Werdegang zu tun. Ohne das d-Moll-Konzert wäre meine Adoleszenz weit weniger erträglich gewesen. Das Werk hat mich von früher Jugend an so unmittelbar berührt, dass die Erfahrung richtiggehend einem Schock gleichkam. Auch werde ich nie vergessen, wie eindringlich mein Lehrer Leon Fleisher das Werk unterrichtet hat. Dazu kommt die Entstehungsgeschichte dieses musikalischen Wunders: Brahms hat jahrelang damit gerungen. Die Urkräfte menschlichen Daseins im Spannungsfeld zwischen Glückseligkeit und Verzweiflung sind als ungefilterte Energien in das Werk hineingeflossen. Im Gegensatz zum zweiten Konzert ist das erste sozusagen ein ungeschliffener Diamant.

 

Das erste wurde einst als «Sinfonie mit obligatem Klavier» bezeichnet. Braucht es den Pianisten gar nicht?

 

Gute Frage! Ihre Bezeichnung trifft das zweite Konzert aber noch besser, ist dieses doch mit dem eingeschobenen Scherzo-Satz, also mit vier Sätzen, wirklich sinfonisch. Wie bei vielen grossen Musikwerken ist auch bei den Brahms-Konzerten die Wahl der Besetzung für die musikalische Substanz wohl kaum von entscheidender Bedeutung. Denken Sie nur an gute Jazz-Arrangements von Bachs Werken, Ravels Orchestertranskription von Mussorgskis «Bildern» oder Schönbergs sinfonische Fassung von Brahms’ Klavierquartett g-Moll: Die Substanz bleibt. Brahms selbst war sich lange nicht sicher, wie und ob er überhaupt das Klavier einbauen sollte. So dachte er beim Kopfsatz des d-Moll-Konzerts zuerst an eine Sonate für zwei Klaviere, später an eine Sinfonie. Die Idee zum Klavierkonzert kam ihm erst zuletzt. Zum Glück für uns Pianisten!

 

Was ist das für ein Gefühl, als Pianist in diese Orchesterwogen einzutauchen?

 

Ein durch und durch erhebendes, aber auch schweisstreibendes!

 

Zwischen Orchester und Solist muss es geigen. Vertrauen Sie Douglas Bostock und dem ASO?

 

Aber natürlich! Sie haben ja selber mitverfolgen können, was für eine Entwicklung das ASO unter Douglas Bostock gemacht hat und auf welch hohem Niveau das Orchester heute musiziert. Ich bin es vielmehr, der wiederholtes Vertrauen geniesst: Nach je zwei Beethoven- und Saint- Saëns-Konzerten sowie einem Mozart- und einem Rachmaninov-Konzert ist das erste von Brahms bereits das siebte Werk, welches wir zusammen erarbeiten – in nur 9 Jahren!

 

Dieses Wochenende spielen Sie in Boswil eine Brahms-Sonate – Klavier und Geige. Wie anders gestaltet sich Ihre Aufgabe?

 

Auch wenn Sie mir dies vielleicht nicht abnehmen: Kaum anders! Ob Kammermusik oder Klavierkonzert: Die Ansprüche an mich selber bleiben dieselben. Ob Interaktion mit einer einzelnen Geigerin oder einem Dirigenten mitsamt Orchester: Es bleibt für mich alles Kammermusik.

 

Der Abend mit Veronika Eberle reicht von Brahms und Janacek bis zu Schumann, die Geige steht im Zentrum, die Alte Kirche hallt. Schwierig für Sie?

 

Etwas, das mich immer erstaunt: Finden Sie im Ernst, dass die Geige im Zentrum steht? Optisch liegt das auf der Hand, da die Geigerin steht und dem Publikum zugewandt ist. Aber gerade bei diesen Stücken und überhaupt bei allen grossen Violin- und Cellosonaten des klassisch-romantischen Repertoires ist das Klavier – mit Verlaub – mindestens gleichberechtigt und -beschäftigt! Zu Boswil: Ich spiele sehr gerne dort. Ein magischer Ort! Und mit Publikum finde ich die Akustik sehr angenehm. Es gibt die Tendenz, dass der Klavierklang besonders stark trägt, weshalb das Instrument bei Kammermusik schnell zu dominant wird. Als Pianist muss man das spüren und die Dynamik entsprechend anpassen.

 

 

 

 

 

Sitemap anzeigenStichwortsuche