Aufbruch geglückt
Das Aargauer Symphonie-Orchester spielt in Aarau mit Gastdirigent Philippe Bach.
(Aargauer Zeitung / MLZ, Nicole Roesch, 15. September 2010)
Drei grundverschiedene Werke vereinte das Aargauer Symphonie-Orchester (ASO) am Sonntag in Aarau unter dem wahrhaft programmatischen Titel «Aufbruch». Mancher KuK-Konzertbesucher wird erstaunt gewesen sein, als er das Programm las, und sich gefragt haben, was die dort aufgeführten Stücke verbindet.
Bei Felix Mendelssohn Bartholdys Konzertouvertüre «Meeresstille und Glückliche Fahrt» lag das Thema «Aufbruch», das auch die dem Stück zugrundeliegenden Gedichte Goethes bestimmt, nahe. Diese das Meer in all seinen Facetten darstellende Komposi- tion gab dem Orchester die Gelegenheit, nach der Sommerpause wieder zur gewohnten Homogenität zu finden und Fahrt aufzunehmen. Mit seinem dynamischen Dirigat trug Gastdirigent Philippe Bach insbesondere im zweiten Teil der «Glücklichen Fahrt» dazu bei, die Segel zu setzen und das Schiff auf Kurs zu bringen.
Mit dem Auftritt des Raschèr Saxophone Quartet entlud sich geballte Energie in musikalischer Geschlossenheit. Das für ebendieses Ensemble komponierte Konzert für Saxofonquartett und Orchester von Philip Glass vermag mit seiner Mischung aus populären und repetitiven Pattern zu überzeugen. Die Qualität der vier Ausnahmemusiker des Quartetts zeigte sich im ausgewogenen Zusammenspiel mit dem Orchester, aber auch in den solistisch besetzten Teilen.
Die Linienführung sowie die Klangvielfalt, die Christine Rall, Elliot Riley, Bruce Weinberger und Kenneth Coon ihren Instrumenten zu entlocken vermochten – wer hätte gedacht, dass ein Sopransaxofon wie eine Flöte klingen könnte? –, begeisterten das Publikum und zeichneten das Gefühl eines mühelosen Fortkommens, eines Schwebens in Luft.
In Glass’ Stück sprang der Funke auch auf das Aargauer Symphonie-Orchester über, das sich mit sichtbarer Spielfreude dem souveränen Dirigat Bachs überliess, Höhenflüge erlebte und so für den Höhepunkt des Konzerts sorgte.
Mit Beethovens «Symphonie Nr.5» schliesslich begab sich das Aargauer Symphonie-Orchester in vertraute Gefilde – wer kennt diesen Klassiker nicht? Dass diese Symphonie aber nicht als «altes Schlachtross» daherkam, bewiesen schon das schöne Tempo, das Philippe Bach hier wählte, sowie die sehr differenzierte dynamische Ausgestaltung.
Während man sich gerade im Kopfsatz etwas mehr Homogenität gewünscht hätte, glänzte das Orchester im zweiten Satz mit schöner Linienführung und grossem Ausdruckswillen. Der dritte und der vierte Satz schliesslich zeugten von echter musikalischer Arbeit. Diese Kraftanstrengung sorgte für eine Erdung des Klanges, durch die Beethovens Symphonie ihre ganz eigene Klangfarbe erhielt und das Publikum begeisterte.
Was die Stücke dieses Konzertes vereinte? Es war die Bewegung – zu Wasser, in der Luft und zu Lande. Bewegung tut gut. Ein Aufbruch auch.