Treue Hörer, flüchtiges Geld
Aargauer Symphonie-Orchester bietet 2010/2011 Raritäten und Hits
(Mitttellandzeitung, Christian Berzins, 06. Mai 2010)
Alles schreit nach Wachstum. Doch ist es nicht auch positiv zu werten, wenn eine kulturelle Aargauer Institution in schwierigen Zeiten ihre Zuschauerzahlen hält? Die Abo-Konzerte des Aargauer Symphonie-Orchesters waren 2009/2010 ähnlich wie in der Vorsaison zu 86 Prozent ausgelastet, lockten 5160 Hörer an. Und ASO-Präsident Jürg Schärer sagte an der gestrigen Pressekonferenz in Aarau stolz, dass insgesamt – inklusive der Auftritte in der Tonhalle, der Chorkonzerte und des Wettinger Neujahrskonzerts u. a. – rund 12 000 Menschen das ASO in der letzten Saison gehört haben. Aber er bedauerte auch, dass die 344 500 Franken an Sponsorengelder nicht gehalten werden konnten – knapp 35 000 Franken weniger waren es vergangene Saison. Dennoch: Kanton und Neue Aargauer Bank und viele andere Geldgeber bleiben dem ASO weiterhin treu. Für das Budget 2010/2011 muss allerdings noch Geld gefunden werden, will man nicht an die Reserven.
Trotzdem heisst es «Aufbruch», wenn man im September selbstbewusst in die neue Saison startet. Mit einem populär-attraktiven Programm wird der erfahrungsgemäss schwierig zu verkaufende September- Zyklus seine Gäste finden: Beethovens «5. Sinfonie» erklingt und dazu wird Philip Glass’ famoses Konzert für Saxofon- Quartett gespielt. Der junge Schweizer Philippe Bach dirigiert als Gast.
Stars und Aargauer
Die Höhepunkte der Saison seien kurz erwähnt. Oliver Schnyder spielt im 2. Zyklus das 1. Brahms-Konzert und vier Solisten aus den eigenen ASO-Reihen wagen sich im Januar an Joseph Haydns «Sinfonia Concertante».
Mut zeigt man auch im März und erbringt wie schon im November- Zyklus mit Arthur Honeggers «Le Roi David» den Tatbeweis, dass die Beschäftigung mit Schweizer Musik beim ASO Tradition hat. Hier wird es erneut zur Bildung des Aargauer Festivalchors kommen. Die spektakuläre Aufführung mit Sprecher Walter Küng findet in der Bärenmatte Suhr statt. Mit Pianist Bernd Glemser ist ein grosser Name verpflichtet, er spielt im Mai Beethovens «5. Klavierkonzert». Fixpunkte im Programm sind das weihnachtliche Familienkonzert (Kurt Aeschbacher), die Pops-Konzerte und die Auftritte zu Neujahr. Gleich dreimal wird man auf Einladungen des Zürcher Theatervereins in der Tonhalle auftreten. Chefdirigent Douglas Bostock vertraut weiterhin auf einen klugen Mix von selten Gehörtem und Meilensteinen der Musikgeschichte. Auffällig ist, dass die Programme nicht mehr so verspielt sind, sondern klare Schwerpunkte tragen. Dieser Weg ist richtig, ist es doch für das Aargauer Orchester nicht leicht, sich zwischen den populär programmierenden Basler und Zürcher Orchestern zu behaupten.