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Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

 

Ein Schiff wird hochseetauglich

 

Das Aargauer Symphonie Orchester zeigt, wie viel man unter Douglas Bostock gelernt hat - sein Konzertmeister triumphiert als Solist.

 

(Mittellandzeitung, Christian Berzins, 19. Januar 2010)

 

Zufallsgäste rieben sich am Sonntag in Aarau verwundert die Augen: Das Aargauer Symphonie-Orchester vermeldete trotz zusätzlichen Stuhlreihen «ausverkauft». Rückblickend erscheint das auch völlig klar – und sei als empfehlende Ermahnung für die Folgekonzerte ausgegeben: Das ASO und sein Solist Ulrich Poschner boten ein grosses Konzert, das es in seinen drei Wiederholungen nicht zu verpassen gilt. Da konnte man sogar über einen missratenen Beginn hinweghören.

Nicht nur die Bläser machten der Aufführung von Theodor Fröhlichs (1803–1836) Ouvertüre zu Dhyrns «Konradin» einen Strich durch die Rechnung. Da stimmte zu viel nicht, als dass unser Aargauer Herz durch die Klänge des Aargauer Frühromantikers warm geworden wäre.

ALSBALD WURDE jedoch die russische Seele gereizt: Ulrich Poschner, für «gewöhnlich» Konzertmeister des Aargauer Symphonie-Orchesters, trat in Sergei Prokofjews 1. Violinkonzert als Solist vor das Orchester. Und wie! Prokofjew macht es dem Solisten anfänglich schwer. Er meidet jeden oberflächlichen Effekt, da ist nichts, womit der Geiger bluffen könnte. Wer bloss die Noten spielt, erreicht nichts. Es gilt, Töne zu Inhalt, schliesslich zu einer Erzählung zu spinnen. Eine Kunst, die Poschner beherrscht – das ASO steckte nicht zurück und fügte seine Kommentare mutig hinzu.

Erst spät darf der Geiger endlich mal auf der G-Saite knurren, endlich auch auf der E-Saite hymnisch singend mit den Engeln konkurrieren. Auch dies tat Poschner mit einem unheimlichen Selbstverständnis. Dank perfekter Bogenarbeit und einer risikofreudigen Intensität wurde Poschner der überlegene Solist, konnte mit Nonchalance triumphierend in die Süssigkeiten des Finales einbiegen. Das war umso bemerkenswerter, da man doch weiss, wie das Aarauer KuK Geiger akustisch oft ins Leere laufen lässt.

NACHDEM DER Konzertmeister sein Können so überlegen gezeigt hatte, war es am ASO selbst, zu beweisen, wie weit man in den letzten Jahren gekommen war: Die 6. Sinfonie Ludwig van Beethovens – die «Pastorale» – war das ideale Werk dazu. Das ASO meisterte die Sinfonie nicht bloss, sondern bot eine geradezu moderne Interpretation.

Chefdirigent Douglas Bostock verlangte viel Zug und forderte einen leichten Ton: Und wie diese Register im 1. Satz zufrieden vor sich hinmurmelnd
übereinander- und ineinanderwuchsen, wie die prächtigsten Soli entstanden und gleich wieder in den musikalischen Lauf der Dinge einverleibt wurden, wie prächtig die Tutti-Stellen klangen, war lustvoll anzuhören.

Die «Pastorale» ist eine Sinfonie der extremen Gegensätze. Im Grossen sowieso: vom Sturm zu den lieblichsten Vogelklängen. Aber vor allem auch im Detail — und gerade hier zeigten sich die Streicher überaus wach. Wie sie im 1. Satz etwa in Takt 131 noch lieblich im Pianissimo schnurrten, dann aber schon recht wach den Aufstieg im deutlich wahrnehmbareren Piano nahmen und schliesslich die letzten drei Achtel der Phrase im klaren, vollsten Forte spielten, war hinreissend.

Und wer im 2. Satz die innig miteinander schwatzenden Klarinetten und Oboen gehört hat (Takt 61ff), ja ganz allgemein die süss-elegante Massigkeit des Klangs vernahm – bisweilen auch leicht ironisch durchbrochen (Takt 45/46) –, der kam aus dem Staunen nicht heraus.

Vielleicht ging man in den 3. Satz etwas zu forsch, nahm jedenfalls die Pianissimo-Anweisung in Takt 1 weniger ernst als den Fortissimo-Vorschlag in Takt 165. So machte sich das nahende Gewitter etwas früh bemerkbar, wo doch auch hier noch «dolce»-Anweisungen im Text stehen.

Als es dann aber hereinbrach, wusste man, warum die Musiker schon 350 Takte vorher zappelig geworden war: Unheimlich, welche Klangenergien sich da entluden und wie aggressiv die Streicher das Orchester anführten. So war selbst im vermeintlichen Chaos Form zu erkennen.

IM OFT TRÄGE wirkenden 5. Satz, wenn Nachtigall und Gewitter verschwunden sind, der Sinfonie-Fluss sich quasi der Meeresmündung nähert, da forderte Bostock nochmals eine kräftige Entschlossenheit – erhielt sie und damit den Beweis, dass das ASO hochseetauglich geworden ist.

Wiederholung heute Dienstag, 20 Uhr, KuK, Aarau; Mittwoch, 20 Uhr, Trafo-Halle, Baden; Freitag, 20 Uhr, Bahnhofsaal Rheinfelden. Einführung jeweils um 19 Uhr.

 

 

 

 

 

 

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