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Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

«Mein Leben ist geprägt von Improvisation»


Marc Kissóczy dirigiert das traditionelle Neujahrskonzert des Aargauer Symphonie-Orchesters (ASO). Er spricht über sein russisches Programm und über seine Liebe für das berühmte Wiener Neujahrskonzert.

 

(Mittelland Zeitung, Christian Berzins, 30. Dezember 2009)

 

Marc Kissóczy, das Neujahrskonzert des ASO ist seit Jahren traditionell in Ihrer Hand. Wie traditionell verbringen Sie jeweils den Silvesterabend kurz davor?

Marc Kissóczy: Immer wieder anders. Mein Leben ist geprägt von der Improvisation, und so ist es auch der Silvester. Dieses Jahr werden wir bei Freunden eingeladen sein, ein anderes Mal verschläft man die so genannt grosse Stunde aber auch mal. Gänzlich tabu bei mir ist das Vornehmen von Grundsätzen. Ich kenne mich zu gut, um zu wissen, dass ich sie nicht einhalten werde.

 

Am Neujahrskonzert dirigieren Sie einen Strauss von «schönen» Werken. Eine leichte Arbeit für den Dirigenten?

Kissóczy: Es versteht sich von selbst, dass man diese Werke mit der gleichen Ernsthaftigkeit angeht wie eine Beethoven-Sinfonie – warum? Weil bei Beethoven eine Botschaft darin steckt, und bei Strauss eben eine andere. Meine Aufgabe ist es, diese Botschaft mit der grösstmöglichen Wirkung meinem Publikum klarzumachen. Im Übrigen: Auch Johann Strauss ist nicht einfach nur «leicht». Eine «Fledermaus» zum Beispiel ist in meinen Augen ein Meisterwerk der Musikgeschichte. So gesehen, habe ich bei Offenbach eine gleich schwere Aufgabe wie bei Mahler. Eine andere Sache ist natürlich, ob man das Flair für die Musik hat oder nicht – wenn nicht, ist die Aufgabe, Strauss zu dirigieren, unlösbar.

 

Das Programm des ASO-Konzertes ist diesmal russisch angehaucht: Worauf gilt es in diesen Werken von Rimski-Korsakow, Khatschaturjan oder Tschaikowsky zu achten?

Kissóczy: Es ist wahr, dass ich diesmal mein Auge auf Russland geworfen habe. Und doch sind natürlich Werke darunter, die man nicht als wirklich «russisch» bezeichnen kann – Tschaikowsky beispielsweise ist ja sehr «westlich». Sagen wir so: Die russische Seele hat ja immer mindestens zwei Seiten – eine sehr sanfte und eben auch das andere Extrem. Wenn ich das vermitteln kann, habe ich schon viel erreicht.

 

Andrei Gorbatschow, ein Balalaika-Spieler, steht im Zentrum. Er spielt Pavel Necheproenko, Variationen über das Thema der Caprice Nr. 24 von Nicolo Paganini. Was ist das für ein Werk?

Kissóczy: Wer das Original für Violine solo von Paganini kennt, wird nicht überrascht sein, zu hören, dass es sich auch bei dieser Adaption um ein sehr virtuoses, brillantes und schwierig zu spielendes Werk handelt. Natürlich steht der Solist absolut im Zentrum, und wir dienen ihm nur zu. Das Orchester ist aber sehr farbig, mit einem Augenzwinkern hier und da, insgesamt wird der Solist äusserst wirkungsvoll von seiner besten Seite gezeigt. Niemand erwartet grosse Tiefgründigkeit in einem solchen Moment.

 

Die «Mutter aller Neujahrskonzerte» geht jeweils am 1.1., 11.15 Uhr in Wien über die Bühne – mit Ihnen vor dem Fernseher?

Kissóczy: Ja, so jedes dritte Neujahrskonzert höre und sehe ich mir an.

Im Ernst?

Kissóczy: Erst mal: Warum nicht? Weil es ein furchtbar kommerzieller und, sagen wir es ruhig, auch etwas snobistischer Anlass ist. Nun: Warum trotzdem? Wenn ich wissen will, wie Dvorak zu klingen hat, höre ich mir ein tschechisches Orchester mit einem tschechischen Dirigenten an. Wenn ich also wissen will, wie ein Wiener Walzer zu klingen hat, höre ich mir eben die Wiener an. Ehrlich gesagt: Da kann vorne stehen, wer will, die Wiener bleiben die Wiener. Ich freue mich sehr an der Überlieferungskultur, die ein lebendiges Zeugnis der Vergangenheit ist. Es ist klar, dass man sich beim Jahreswechsel, besonders in Zeiten der relativen Unsicherheit, gerne wieder am soliden Fels der Tradition und der Vergangenheit anlehnt.

 

Sie sagen zwar, es sei egal, wer vor dem Orchester stehe. Welche Dirigenten haben Ihnen dort in den letzten Jahren dennoch zugesagt?

Kissóczy: Ich bewundere viele Dirigenten für ganz verschiedene Dinge. Mir entsprechen zum Beispiel die Verve und das Temperament von Zubin Mehta sehr, Maazel bewundere ich dafür, dass er es fertig bringt, vor einem gigantischen Millionenpublikum auch noch Geige zu spielen, mein klarer Favorit aber ist der unendlich fantasievolle und subtile Carlos Kleiber.

 

Neujahrskonzert Aargauer Symphonie-Orchester unter der Leitung von MarcKissóczy, Solist Andrei Gorbatschow, Balalaika.Samstag, 2. Januar, 17Uhr Wettingen;

Freitag, 8. Januar, 20 Uhr, Reinach;Samstag, 9. Januar, 20 Uhr, Zofingen.

 

Marc Kissóczy ist in Kanada als Sohn schweizerisch-ungarischer Eltern geboren und studierte in Zürich, Basel und Bern Violine sowie Orchesterleitung. Neben der Konzerttätigkeit im klassisch-sinfonischen Bereich hat sich Marc Kissóczy einen Namen gemacht als Dirigent von Opern und Operetten, Neujahrskonzerten, Kinderkonzerten, Film-Soundtracks und avancierter zeitgenössischer Musik. Seit 2002 ist Marc Kissóczy Chefdirigent der Camerata Zürich, im Jahr 2005 wurde er zum Professor für Dirigieren ander Musikhochschule Zürichernannt. (bez)

 

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