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Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

Von trampelnden Hennen und dicken Pinselstrichen

 

Das Aargauer Symphonie Orchester beschliesst die Saison 2011/2012 mit dem Programm «Musikalische Bilder».

 

(Aargauer Zeitung, Tom Hellat, 4. Juni 2012)

 

Eine Synthesizer-Fassung, eine Rock-Version und Arrangements noch und noch: Modest Mussorgskys Klavierzyklus «Bilder einer Ausstellung» hat einiges an Bearbeitungen über sich ergehen lassen müssen. Die berühmteste Instrumentierung stammt aber von Maurice Ravel. Sie ist eine auf Wirkung tendierende Version, in der die musikalischen Abläufe teilweise ins Bombastische vergrössert werden. Sie beruht auf Effekten, und auch beim Konzert des Aargauer Symphonie Orchesters (ASO) unter dem Dirigat von Douglas Bostock möchte man dieses Wort in den Mund nehmen: Die verschwenderischsten Klangreflexe werden dort zu Grundpfeilern einer ins Pompöse gewendeten Darstellung. Mussorgskys «Bilder einer Ausstellung» tönt hier nicht nach Museumsbesuch, sondern vielmehr wie ein ganzes Film- Festival – bewegte Klangbilder auf hochauflösendem Fotomaterial, gross und bildgewaltig.

 

Mit der Geste des Pult-Imperators

 

Von der Wucht und Kraft des Werkes wird so vieles hörbar – etwa in der schauerlichen Grabesatmosphäre der «Katakombenszene» oder der gespenstisch fantastischen Stimmung der «Hütte des Baba-Yaga». Auch passt Bostocks für Mussorgsky aktivierte Geste des Pult-Imperators, der herrisch triumphal zum gewaltigen Tor von Kiew stürmt. Das ist gut gemacht und wirkungsvoll, doch die heiklen, fein zu durchleuchtenden Szenen fallen dagegen ab (was im übrigen auch für die Ouvertüre des ASO-Konzerts gilt: «Marsch, Königliche Jagd und Sturm» aus Berlioz’ Oper «Les Troyens»).

 

Leise Töne gingen unter

 

Es fehlt die Fähigkeit zur fesselnden Umsetzung der ganz sensiblen, zerbrechlichen Lyrizismen, die Mussorgsky dem Hörer eben auch in die Seele spiegelt. Wo ist der Museumsbesucher,der von der manchmal verspielten, manchmal verträumten Bilderreihe kindlich ergriffen dasteht und nicht von Pathos überwältigt wird? Der «Gnomus» holpert zwischen Grusel und Komik, und manchmal auch zwischen Grazie und Stolpern, weil das Blech hier immer wieder zu spät einsetzt. Und auch die «Kücken in den Eierschalen» mit den vielen Vorschlägen und Trillern trippeln nicht federleicht, sondern trampeln zuweilen wie ausgewachsene Hennen. Douglas Bostock ist ein Museumsbesucher, der durchaus auch einmal etwas näher an die Bilder hätte herangehen können, um die zarten und feinsten Pinselstriche auszugestalten. Sie verdienen mindestens ebenso viel Beachtung wieder feierliche Pomp.

 

Lyrisch und selbstversunken

 

Bei dem zweiten russischen Komponisten, den dieses Abschlusskonzert der diesjährigen ASO-Saison bereithält, funktioniert der Zugriff mit dem grossen Pinsel besser. Was auch an der innigen Art des Solisten Alexander Sitkovetsky liegt. Er spielt Glasunows Violinkonzert in a-Moll lyrisch und selbstversunken, wenn nötig aber mit einer Portion Draufgängertum.

 

Und auch wenn das oft etwas schwülstige Glasunow-Konzert nicht unbedingt dem Zeitgeschmack entspricht, zeigen sich gerade in diesem Herzensstück Sitkovetskys die Qualitäten des Geigers: die funkelnde Agilität seiner Technik, seine Spontaneität und Gewandtheit im Ausdruck, sein Geschmack und Stilbewusstsein. Bei ihm wird man keine forcierten Virtuosenausbrüche hören, alles Natürlichkeit und Freimut; die schwierigsten Passagen klingen aus der Reserve des Könnens stets leicht, fast katzenhaft in ihrer Eleganz. Während das Aargauer Symphonie Orchester die impressionistischen Klangfarben betont und so das Werk mit leidenschaftlichen «Eswar- einmal»-Patina überzieht. Hier passte er wieder gut, der grosse Pinsel.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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