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Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

Schiessende Teufel und spriessende Natur

 

Das Aargauer Symphonie Orchester brachte Naturgeister zum Vorschein.

 

(Aargauer Zeitung, Anna Kardos, 15. November 2011)

 

Naturgeister haben die Angewohnheit, sich versteckt zu halten. Selten flanieren sie am helllichten Tag durch die Bahnhofstrasse und in die offenen Arme rennen sie einem schon gar nicht. Wenn also das Aargauer Symphonie-Orchester (ASO) sein Herbstprogramm mit «Naturgeister» übertitelt, dann muss man nicht hinter jeden Takt eine Elfe hervorspringen hören; gefolgt von einer veritablen «Naturgeistsinfonie». Und tatsächlich hielten Natur und Geister sich in den aktuellen Kompositionen diskret im Hintergrund.

 

Etwas zurückhaltend

 

Anfangs schien diese Haltung allerdings auch auf das Orchester abzufärben. So tönten die ersten Takte in Carl Maria von Webers Ouvertüre zu «Freischütz» wie ein morgendliches Erwachen in unisono, die Hörner bliesen ihr Jagdmotiv – das hier immerhin für die gesamte Natur stand! – gar getragen. Kurz: Es war, als müssten die Musiker sich erst den Schlaf aus den Fingern schütteln. Aber nichts leichter als das, mit Webers Ouvertüre, in der Liebe und Leidenschaft aufeinanderprallen und der Teufel die letzte Kugel verschiesst. Bald schon schossen nämlich auch die Finger der Musiker durch die halsbrecherischen Läufe oder flirrten in feurigem Tremolo. Wo vordem beschaulich dahin musiziert wurde, liess der japanische Gastdirigent Junichi Hirokami Drive und gekonnt ausgereizte Spannung einkehren.

 

Einmal da gewesen konnte man Spannung und Drive auch in Mozarts Klarinettenkonzert (KV 622) nicht abschütteln. Hier gingen Dirigent undOrchester die Partitur mal singend, mal keck hüpfend an, sodass der Solist Adrian Zinniker es nicht leicht hatte, mit seiner dezenten Interpretation gegen die Begleitung anzukommen. Davon beirren liess er sich allerdings nicht und blühte in den sanfteren Passagen auf, die er mit warmem Ton und singender Freiheit gestaltete. Dass man an den leiseren Stellen immer wieder ein geheimnisvolles «k -k -k» hörte, hatte weniger mit einem Naturgeist zu tun, der sich in den Konzertsaal verirrt hatte, als mit einem «Natur-Metronom». Mit diesen Konsonanten gab Dirigent Hirokami nämlich seinen Musikern lautstark zu verstehen, wann der nächste Takt, der nächste Einsatz erfolgen sollte.

Der philharmonische Höhepunkt des Abends war mit Robert Schumanns Frühlingssinfonie erreicht. Ein etwas herber Frühling allerdings – scharf wie splitterndes Holz und in den Höhen grell wie die erste Märzsonne. Es war, als hätte das Orchester Schumanns Tagebucheinträge zu dieser Sinfonie als Satzüberschriften gelesen: «Symphoniefeuer!» oder «Juchhe!» ist beim Komponisten zu lesen - und war beim ASO genauso deutlich zu hören. Die zweiten Geigen boten den ersten keck Paroli und der Paukist schmetterte seine Schläge, indem er mit dem ganzen Körper mitwippte.

 

Auch wenn sich die wilde Natur in Celli und Bässen manchmal gar rumpelnd ihren Weg bahnte; auch wenn die hohen Streicher hin und wieder Finessen und Feinschliff vergessen liessen, so brillierten dafür die Holzbläser umso mehr mit wunderschön ausgespielten Melodien – und mit einem Klang, der von gleissend bis warm und weich die ganze Palette an Ausdruck beherrschte. Zum Schluss des Abends teilte sich also das Motto «Naturgeister», und aus einem Begriff wurden zwei, die sich miteinander duellierten: Da war einerseits die wilde, ungeschliffene «Natur» und andererseits der feine Schumann’sche Kompositions-»Geist». In dieser Aufführung lag die Natur um eine Nasenlänge vorne.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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