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Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

Die Lust des Zuhörers an der Katastrophe

 

Das Aargauer Symphonie Orchester spielt unter der Leitung von Douglas Bostock Wagner, Haydn und Schumann.

 

(Aargauer Zeitung, Christian Berzins, 17. Januar 2011)

 

Die Banden dieser Freundschaft festigen sich nur zögerlich. Aber das Aargauer Symphonie-Orchester (ASO) tut viel dafür, damit die Badener wenigstens fünfmal im Jahr ihre Konzerte in der Trafo-Halle besuchen. Von Liebe getraut sich im Orchester noch keiner zu sprechen, aber auf Wohlwollen durfte man am Samstagabend beim ersten Konzert des 3. ASO-Zyklus durchaus hoffen. Doch wenn es das ASO wagt, in einem solchen Raum Richard Wagners «Siegfried-Idyll» zu spielen – über das Wie soll gleich geschwärmt werden – und das Badener Publikum danach nicht länger als neun Sekunden applaudiert, hilft vielleicht nur noch ein Mediator.

 

Warum nicht mehr Begeisterung?

 

Im Ernst: Warum nicht mehr Begeisterung nach diesen famosen zwanzig Minuten? War das Werk zu fein, zu zart gespielt? War ein grosssinfonischer Klang erwartet worden? Aber hatte nicht Wagner selbst die Hoffnung, dass dieses filigrane Stück auch in kleiner Besetzung seine Wirkung zeigen würde?

Wird das «Siegfried-Idyll» in kleiner Orchesterbesetzung gespielt, muss sich jeder Musiker bis auf die Socken entblössen. Die ASO-Musiker und Chefdirigent Douglas Bostock gingen die Herausforderung an. Schon mit den ersten gehaltvollen Streicherstrichen machten sie sich Mut.

Gewiss: Die Aufführung blieb ein Gang über einen gefrorenen See. Der Zuhörer musste Lust am Ungewissen, an der Katastrophe haben. Der finale Schritt auf den festen Grund durfte nur mehr eine vernachlässigbare Zugabe sein. Keine Katastrophe trat ein. Im Gegenteil. Dank Bostocks Übersicht wurde der Gang zum Triumph.

 

Von Anfang war an ein erfrischend zart-heiterer Zug zu hören. Trotz heikler Streicherfiguren nahm ein kleines Drama ganz unprätentiös seinen Lauf. Das Orchester plauderte in wärmsten Tönen und vergass den Ernst der Sache dennoch nicht, lauert doch im Hintergrund nichts Geringeres als Verbindungen zum gewaltigen Drama um den «Ring des Nibelungen». Subtil die ersten Einwürfe der Flöte, ja alsbald erfreulich die gesamten Holzbläser. Sie machten vergessen, dass auf der Schulter des Hornisten gar viel Last lag.

 

Ungleiches Solistenquartett

 

Dramaturgisch raffiniert war es, nach diesem Fast-Endpunkt ein Werk von Joseph Haydn zu spielen. Damit konnte quasi alles nochmals in neuer Frische begonnen, ja die eine oder andere Klang-Parallele herausgehört werden. Haydns «Sinfonia Concertante» für Orchester, Geige, Cello, Oboe und Fagott erreichte aber nicht die gewünschte Wirkung.

 

Selbstbewusst war das Solistenquartett aus den eigenen ASO-Reihen gebildet worden: Ulrich Poschner (Geige), Martin Merker (Cello), Gerhard Gloor (Oboe) und Daniel Kühne (Fagott). Doch die Ungleichheit dieser vier Musiker war zu gross. Schwingt der Geiger nämlich trotz einzelner Mängel weit obenaus, entsteht ein Ungleichgewicht. Zu hören war quasi ein Violinkonzert mit solistischer Begleitung, da die beiden Bläser nie eine neckende Beschwingtheit vorbringen konnten und es dem Cellisten unter anderen auch an der nötigen Virtuosität fehlte.

 

Immerhin wäre da noch das Orchester mit einigen Aufgaben vertraut gewesen. Doch das ASO spielte behäbig unakzentuiert, fand den Haydn-Ton nicht. Ganz anders zeigte man sich nach der Pause in Robert Schumanns 2. Sinfonie.

Bostock kennt seinen Schumann bestens und hat seine Vorstellungen auch mit der Tschechischen Kammerphilharmonie auf CD verewigt. Er verlangt eine kraftvolle Straffheit und weiss die Steigerungen aufzubauen, die Entladungen hinauszuzögern, ja sowieso die dynamische Bandbreite auszunutzen – und zu geniessen.

 

Staunen bei Schumann

 

Da er die Streicher an kurzen Zügeln hält, ergibt sich quasi automatisch ein durchhörbares Klangbild, was die ASO-Bläser mutig ausnutzten. Darüber, wie die Holzbläser im 3. Satz miteinander harmonierten, konnte wohl auch Bostock nur mehr staunen. Im 2. Satz überraschte das Orchester mit einer frühlingshaften Leichtigkeit, im langsamen grossen Adagio gemahnte man wieder an Richard Wagner – nicht ans «Siegfried- Idyll», sondern aufgrund der glühenden Schumann-Intensität viel eher an den späteren «Tristan».

Damit ist angedeutet, dass es im 3. Zyklus der Saison 2010/2011 nicht nur ein gut vorbereitetes Orchester und drei aussergewöhnliche Werke zu hören gibt, sondern durchaus ein Programm mit originellen dramaturgischen Verbindungen. Die Aarauer, Rheinfelder und Murianer dürfen sich freuen. Vielleicht bricht da und dort das Eis bereits nach dem «Siegfried-Idyll».

 

 

 

 

 

 

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