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Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

Bostock zaubert mit Dirigierstab

 

Das Aargauer Symphonie-Orchester (ASO) und die Sopranistian Judith Schmid überzeugten in ihrem neuen Programm «Zaubernächte» mit Klangzauber.

 

(Mittellandzeitung, Tom Hellat, 11. Mai 2010)

 

Der Komponist Paul Dukas war so selbstkritisch, dass nur die besten seiner Werke vor dem eigenen Urteil standhielten. Mit strenger Hand vernichtete er, was er nicht für gut befand. Seine Hauptwerke lassen sich an einer Hand abzählen. Nicht unbedingt viel für 70 Lebensjahre. Aber wie so oft zählt nicht Masse, sondern Qualität. Und in dieser Hinsicht muss Dukas keinen Vergleich scheuen.


ZU WELTBERÜHMTHEIT hat es sein brillantes Orchesterscherzo nach Goethes Gedicht «Der Zauberlehrling» gebracht. Die Story ist einfach: Ist der Meister aus dem Haus, haut der junge Zauberlehrling tüchtig auf den Putz. Doch seine ungelenken Zaubersprüche laufen aus dem Ruder. Der Azubi droht zu ertrinken, da ein verzauberter Besen sich weigert, mit dem Herantragen von Wasser aufzuhören. Ein Glück, dass es dem Dirigenten des Aargauer Symphonie-Orchesters, Douglas Bostock, anders ergeht. Er ertrinkt in der Flut der Noten ganz und gar nicht. Vielmehr scheint er das Zauberwort getroffen zu haben, um die Komposition zum Leuchten zu bringen. Reizvoll filigran beginnend, wählt er zunehmend heftigere Stilmittel. Wie da ganz allmählich die Magie-Maschinerie in Gang kommt – das ist herausragend gemacht. Da zischt, kracht und sprudelt der Zauberbesen an allen Ecken und Enden. Je höher das Wasser steigt, desto mehr hat Bostock Oberwasser. Sein Orchesterschiff steuerte er souverän durch die überbordenden Fluten. Während in der Musik der Zauberlehrling alle Mühe hat, die Kräfte zu bändigen, ist Bostock immer Herr seines Zauber- bzw. Dirigierstabes.


Und auch Berlioz’ «Nuits d’été» sind wetterfest. Diese Orchesterlieder sind bittersüsse französische Romantik. Junge Liebende pflücken Maiglöckchen im Wald – den Geschmack einer Rosenknospe auf den Lippen steigt plötzlich das Bild eines grauen Grabes im Schatten einer Eibe auf: Der Tod schaut vorbei. Das ist romantisches Gruseln – Eros und Thanatos in nächster Nähe. Der Mezzo-Sopranistin Judith Schmid gelingt es, die unvergleichlich schönen – und für eine perfekt funktionierende Stimme dankbaren – melodischen Linien des französischen Exzentrikers mit Geschmeidigkeit und Eleganz zu liebkosen. Mehr Anmut und Intensität kann man sich kaum wünschen, allenfalls ein etwas geringeres Vibrato hätte zu noch unbedingterer Wirksamkeit verholfen. Auf alle Fälle: Mit ihrem dunklen Timbre und ihrem innigen Ausdruck war Schmid für diese schwermütigen Seelengemälde eine ideale Interpretin.


War das ASO bei Berlioz zart gewobener Klangteppich, durfte es in Rimsky-Korsakows Opernsuite «Der goldene Hahn» wieder aus dem Vollen schöpfen. Das Stück beginnt mit einem Hahnenschrei. Etwas krächzend war der noch gespielt, aber im Verlauf des Stückes gewann der Hahn an musikalischer Kraft. Muss er auch: Denn in dem Werk wird der goldene Hahn den Zaren ganz am Ende zerreissen.


HINTER DER märchenhaften Fassade der Geschichte verbirgt sich auch politischer Sprengstoff. Die Figuren der Suite sind zu jedem Zeitpunkt als Metaphern für die Beziehung zwischen Macht und Ohnmacht im alten Russland zu verstehen. So spielt das Aargauer Symphonie-Orchester auch den Hochzeitsmarsch zwischen dem Zaren und seiner Braut nicht wie ein freudestrahlendes Brautlied, sondern wie eine furchterregende Massenszene mit kerniger Klangwucht. Kein lieblicher und konservativer Rimsky-Korsakow, sondern scharfe Satire mit verstecktem revolutionärem Potenzial.

 

 

 

 

 

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