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ASO-Portrait/Fotos

 

 

Ein Schlachtross und ein Rätsel

 

Das Aargauer Symphonie Orchester spielte am Sonntag sein zweites Programm der Saison mit Gastdirigent Petr Altrichter. Als Solistin überzeugte Sophia Jaffé.

 

(Aargauer Zeitung, Christian Berzins, 10.11.2009)

 

Spielen Sie doch mal das 1. Violinkonzert von Max Bruch am Sonntagnachmittag um 17 Uhr – das ist kein Zuckerschlecken. Am Morgen fidelt Itzhak Perlman dieses Geigen-Schlachtross im Radio-Wunschkonzert mit einem Dinosaurier-Ton hinauf, am Mittag Anne-Sophie Mutter mit ungeheurem Farbenreichtum hinunter und kaum hat man das Dessert gegessen Janine Jansen im schlanken Ton wieder hinauf. Was konnte die 29-jährige Sophia Jaffé gegen diese Titanen, die unser Ohr so schmeichelnd beeinflussen, ausrichten, noch dazu in einem Saal, der den Klang von Sologeigen gerne in seine ungeahnten Abgründe zieht?
Doch kaum hatte das Aargauer Symphonie-Orchester (ASO) die sechs dämmrigen, aber verheissungsvollen Einleitungstakte gespielt, tauchte Sophia Jaffé aus ihrem dunklen G in kühne Höhen auf. Schon dort unten, auf der knurrigen G-Saite, lag so viel Leben und packende Unruhe, dass man gebannt auf das Folgende wartete. Ein erster Ruhepunkt hätte kurz darauf das E vor der zweiten Kleinkadenz werden können: Doch Jaffé spielte es stechend scharf und provozierte neue Herausforderungen. Alsbald, im ersten doppelgriffigen Fortissimo, deutete Jaffé an, wie das alles noch werden könnte: Romantische Süsse würde vielleicht im 2. Satz verschenkt werden, doch vorab erzählte Jaffé viel lieber mit fruchtigem Ton von Stolz und Übermut. Dass dabei ab und zu ein Detail eines Bogenstrichs nicht wie gewünscht ausfiel, war Nebensache.

 

DIESE GEIGERIN kennt ihren Bruch, aber sie reizt ihr Wissen so sehr aus, dass sie das nur menschliche Verlangen des Zuhörers köstlich befriedigt: Jaffés Spiel wird zum Trapezakt. Sie weiss, dass sie dieses Bruch-Konzert einfach nur gut spielen könnte, will aber mehr, will zeigen: Vergesst eure CDs und Radio-Wunschkonzerte, im Konzert ist sowieso alles anders.
Das Aargauer Orchester blieb eher im Hintergrund, und wenn es sich bemerkbar machte, wollte man gleich auftrumpfen, die reinen Effekte betonen. Darob leicht irritiert, war man bereits im 3. Satz gelandet, in dem Jaffé mit kühner Geste die Musiker zu einem wilden Tanz herausforderte. Wie intensiv und vor allem mit welchem Erfolg Petr Altrichter mit dem Orchester gearbeitet hatte, zeigte sich erst in der 6. Sinfonie von Antonin Dvorak. Klug wurden hier die Energieströme gelenkt, dosiert lebte man die Höhepunkte aus. Man wusste für einmal gar nicht, ob die Bläser oder die Streicher besser waren. Köstlich zu hören, wie sich das Holz den Volkslied-Ton der Motive einverleibte und mit welcher Leichtigkeit man sich hörbar machte. Schlicht schön, wie im zweiten Satz die Hornsoli über den Streicher schwebten. Und die Streicher sangen während der ganze Sinfonie in einem süss-schwärmerischen Ton, der vom ASO selten zu hören ist.

 

BEGONNEN HATTE das Konzert, erfreulich wie typisch für das ASO, mit einer Rarität. Bohuslav Martinus (1890—1959) «Intermezzo für grosses Orchester» wurde zu Ehren von Martinus 50. Todestag gespielt. Es war auch schon hier erstaunlich, wie tragend die Streicher klangen und wie geschickt Pianist Rafael Rütti zwischen blosser Begleitung und prächtiger Entfaltung pendelte.
Konzertgänger in Aarau und Baden dürfen sich heute und morgen auf ein abwechslungsreiches Programm freuen. Und vielleicht finden sie ja heraus, warum an einem Abend, der mit «Musik aus böhmischen Landen» überschrieben ist, ein Werk von Max Bruch auftaucht. Oder ist das eine programmatische Bruch-Landung? Auf jeden Fall eine, die sich hören lässt.

 

 

 

 

 

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