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Medienmitteilungen
ASO-Portrait/Fotos

«Es braucht jetzt einen grossen Schritt»

 

Douglas Bostock, Chefdirigent des Aargauer Symphonie-Orchesters (ASO), über die Fasnacht, sein japanisches Seelenleben, den Traum von einer Aargauer Philharmonie und die Zukunft im Aargau

 

(Aargauer Zeitung, Christian Berzins, 28.02.2009)

 

Douglas Bostock, wir konnten uns letzte Woche nicht treffen, da die Insel Reichenau wegen der Fasnacht kopfstand. Sie mittendrin?

Douglas Bostock: Von Donnerstag bis zur Usfegete am Dienstag ist hier die Hölle los. Da ich im Dorfzentrum wohne, komme ich nicht daran vorbei: Ich bin ein halber Reichenauer, wenn auch nur ein «Angeschwemmter», wie man hier sagt. Bin ich mal zu Hause, mache ich gern manchmal bei der Fasnacht mit.

 

Ich stelle mir das Leben auf Reichenau ausserhalb der Fasnachtszeit romantisch vor: der Dirigent auf der Insel mit seinen Partituren, der dann immer wieder in die Welt hinausfährt, um zu arbeiten - und auch Geld zu verdienen. Wie ist die Realität?

Bostock: Ich wohne in einem 350 Jahre alten Haus, wo früher die Mönche den Wein kelterten - ein tolles Ambiente! Und von meinem Studio aus blicke ich über den Rand der Partituren hinaus auf den Untersee. Nach dem Studium packe ich den Koffer und fahre nach Kloten zum Flughafen - oder mit dem Auto in den Aargau.

 

Oft fliegen Sie nach Japan. Warum?

Bostock: 1994 war ich das erste Mal nach Japan eingeladen, knüpfte Kontakte und hatte bald zahlreiche Angebote. Es gibt in Japan fantastische Orchester, und das Musikleben ist sehr reichhaltig. Hätte ich allerdings mal zwei Wochen Urlaub, könnte ich mir vorstellen, auch nach Japan zu fliegen. Japan ist wie ein zweites Zuhause geworden, ja, ein wichtiger Teil meines Seelenlebens. Früher war ich bis zu viermal im Jahr dort, meist jeweils für einige Wochen. Dieses Jahr sind es «nur» zwei Aufenthalte.

 

Hat sich aus dem beruflichen Engagement diese private Bindung ergeben?

Bostock: Ja, ich interessiere mich sehr für die japanische Geschichte und Kultur - ich bin auch Shintoist und Mitglied eines Schreins in Mie-Ken. Dorthin fahre ich jedes Jahr, um mich etwas zurückzuziehen. Auch eine Ecke meiner Wohnung in Reichenau ist japanisch eingerichtet.

 

Sie haben viel aus Japan übernommen. Saugen die Japaner im Gegenzug unsere, die von Ihnen gebrachte Kultur denn immer noch begierig auf?

Bostock: Diese Frage konnte man vor einigen Jahren noch stärker bejahen. Inzwischen gastieren sehr viele Künstler aus dem Westen in Japan, und viele Japaner studieren bei uns. Ein «Die dort» und «Wir hier» gibt es im Bereich klassischer Musik inzwischen weniger.

 

Die Japaner flippen also nicht mehr aus, wenn sie Beethoven hören?

Bostock: Sie bleiben ein enthusiastisches Publikum, und die Konzerte sind sehr gut besucht: In Japan gibt es viele grossartige Konzertsäle - selbst in der Provinz neben den Reisfeldern.

 

Ein wenig japanischer Einfluss wäre demnach für Ihre Konzerte im Aargau nicht schlecht!

Bostock: Ja, durchaus: Die Schweizer Mentalität ist etwas anders, aber unsere Konzertbesucher sind auch enthusiastisch.

 

Ich meinte eigentlich die guten Säle. War es für Sie nicht auch erschreckend, wie gut das ASO letztes Jahr beim Konzert in der Zürcher Tonhalle im Unterschied zu den Auftritten in Aarau oder Baden klang?

Bostock: Ja, ich hatte anfänglich sogar Gänsehaut. Es war danach nicht leicht, die Musiker in Aarau oder Baden bei Laune zu halten. Wir sollten in Aarau endlich einen Konzertsaal bauen - direkt an der Aare!

 

Sie träumen immer noch von einer Philharmonie hier?

Bostock: Ja, und das ist mehr als eine Gedankenspielerei. Ich habe vor, dieses Jahr eine Arbeitsgruppe zu diesem Thema zu bilden. Ich stelle mir einen Saal wie in Friedrichshafen vor: Dort gastieren viele Orchester, die auf Tournee sind. Orchester, die weder in Basel noch in Zürich Halt machen. In Aarau hingegen könnten sie auftreten und ein Publikum finden, wenn ein Management ein solches Haus geschickt betreibt. Und der neue Aarauer Saal kann das Zuhause des ASO werden. Die Kantonsväter sollten wissen, dass unser Orchester leidet. Sie stehen durchaus zum ASO, aber es brauchte jetzt einen weiteren - grossen - Schritt in die Zukunft.

 

Sie wohnen rund um die ASO-Abo-Konzerte jeweils in Rombach, die Konzerte sind in Aarau oder Baden. Welche Stadt gefällt Ihnen besser?

Bostock: Ich habe weder für die eine oder die andere Stadt betreffend der Leute oder der Gegend eine Vorliebe. Klar, in Aarau ist das ASO-Büro, in Buchs proben wir - aber ich bin auch gerne in Baden, gehe dort manchmal auch ins Thermalbad. Es gibt allerdings Unterschiede zwischen den zwei Sälen.

 

Die Badener Trafohalle ist als Konzertort ungeeignet.

Bostock: (unterbricht) . . . ist nicht ideal. Aber man hat einiges schon verbessert. Andere Massnahmen, etwa Seitenflügel oder akustische Platten, will man noch treffen. Ich hoffe, dass diese Versprechen gehalten werden.

 

Wie gefällt Ihnen das KuK in Aarau?

Bostock: Dieser Saal sieht immerhin nach etwas aus, ist ein schmucker, kleiner Konzertsaal, wenn auch die Akustik nicht ideal ist. Aber immer wieder haben wir Gäste, die sagen: Es klingt nicht schlecht. Wir haben auch dort einiges verbessert und das Beste daraus gemacht.

 

Sie sind seit 2001 ASO-Chefdirigent. Ist das für Sie eine lange Zeit?

Bostock: Acht Jahre sind eigentlich keine sehr lange Zeit für einen Chefdirigenten, allerdings gibt es viele Dirigenten, die weniger lang bei einem Orchester arbeiten. Es ist so viel passiert in dieser Zeit und es geschieht nach wie vor so viel, dass ich an diesem Orchester weiterhin viel Faszinierendes und viel Freude finde. Probleme gibt es überall - in Aarau wie in Berlin oder New York!

 

Hat sich in diesen acht Jahren wirklich so viel verändert, dass Sie zufrieden mit dem ASO und seinem Umfeld geworden sind?

Bostock: Als ich nach Aarau kam, war diese Position eine, die sich mit meinen anderen Engagements vereinen liess. Mittlerweile ist es aber für mich eine wichtige künstlerische Arbeit geworden. Ich kann hier spannende Programme machen. Wichtiger für mich ist, was man tut, und nicht, wo man etwas tut. Und nebenbei: Das ASO kennt man in der Schweiz mittlerweile gut, wir spielen inzwischen beispielsweise auch regelmässig in der Zürcher Tonhalle. Wenn ich daran denke, wie viele Stimmen es zu Beginn im Kanton und im Kulturdepartement gab, die nicht unbedingt für das Orchester waren, können wir jetzt gewissermassen aufatmen: Das Orchester ist gut positioniert.

 

Zur Person

Douglas Bostock wurde 1955 in Northwich (Chesshire, GB), geboren. Er wohnt auf der Insel Reichenau am Bodensee (Bild). Bostock ist seit 2001 Chefdirigent des Aargauer Symphonie-Orchesters. Oft dirigiert er auch in Japan und in Tschechien. Er hat viele CDs eingespielt: u. a. Werke Carl Nielsens sowie britische Musik des 20. Jahrhunderts.

 

Spektakel mit dem ASO

Mit «Die Neunte» ist das 4. Abo-Programm des Aargauer Symphonie-Orchester überschrieben - ein aussergewöhnlicher Abend: Aufgeführt wird Beethovens 9. Sinfonie. Den Schlusschor, die «Ode an die Freude», singt der Aargauer Festivalchor, der für dieses Ereignis aus fünf Aargauer Chören gebildet wird. Im ersten Teil des Konzerts wird es nicht minder spektakulär zugehen: Die Aufführung von Isao Matsushitas Sinfonie «Dharani», von der Douglas Bostock schwärmt, wird ein Multimedia-Spektakel inklusive eines Kalligrafen. Zwei Konzerte finden für einmal nicht im Aarauer KuK, sondern in der Bärenmatte in Suhr statt.

 

 

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